Tourenbericht zum Sommerurlaub in Kanada & USA, 2005

Eine 4-wöchige Tour von Vancouver in die Kanadischen Rocky Mountains vom 23. Juli. - 21. August 2005

von Thomas & Kerstin Frank

Teilnehmer:

Kerstin & Thomas Frank, Regina & Frank Tröger, Jörg Helbig (alle DAV Chemnitz)

Highlights der Tour:

Tonquin Valley Trail
Berg Lake Trail
Besteigung des Mt. Wilcox (2892m)
Besteigung des Mt. Temple (3543m)
Besteigung des Mt. Baker (3285m)
Besuch im Mt. Rainier NP

Weitere Dokumente zur Tour:

Tourenplan, Informationsquellen und sonstige Reiseinformationen
Bildergallerie mit den Bildern von der Tour

Vorwort

Unsere letzte Tour Richtung Nordamerika mit Freunden vom DAV Chemnitz hatte uns 1997 von Calgary aus in die Kanadischen Rockies, nach Mt. Rainier NP, Grand Teton NP und Yellowstone NP geführt (siehe auch den Tourenbericht hier auf diesen Seiten). In den Jahren danach waren Kerstin und ich 1999 in Kalifornien und in den Nationalparks im Südwesten der USA. Und so reifte der Entschluss, dass man wieder mal eine Gemeinschaftstour mit unseren Freunden vom DAV Chemnitz in die Berge Kanadas unternehmen sollte. Angeregt durch einen Fernsehbericht von Hermann Magerer in einer Berg-auf-Berg-ab-Sendung hatte es uns dabei besonders der Mt. Baker im Norden von Washington angetan. In der Vergangenheit haben wir schon eine Reihe der nordamerikanischen Vulkane (2x Mt. Shasta, Lassen Peak, Mt. Rainier) bestiegen, und es ist immer wieder ein besonderes Bergerlebnis, da diese Berge im Gegensatz zu den Bergen in den Alpen meist Solitärberge (eben Stratovulkane) mit einer grandiosen Rundumsicht sind. Der Mt. Baker war also eines der Hauptziele der Tour.

Zum anderen war die Tour für Regina und Frank ihre erste Reise nach Nordamerika überhaupt, weshalb wir natürlich einige der Highlights der 1997-er Tour erneut besucht haben, um sie ihnen nicht vorzuenthalten. Ergebnis dieser Vorüberlegungen war der Tourenplan, der sich ebenfalls hier auf diesen Seiten findet. Erstaunlicher Weise ist dieser Tourenplan dann auch dank meist sehr guten Wetters und guter Reiseplanung fast 1:1 in dieser Art realisiert worden.

Neben einigen herausragenden Gipfelerlebnissen (z.B. Mt. Temple bei Lake Louise) hatten wir für diese Tour aber auch vor, die eine oder andere Tour ins Hinterland der Nationalparks zu machen. Leider sind in Kanada und USA dafür meist entsprechende Permits nötig, deren Organisation und Reservierung von Deutschland aus nicht so einfach ist. Insbesondere die attraktiven Trails in den kanadischen NPs sind in der Hauptsaison meist lange vorher ausgebucht. Aber per Internet und Telefon haben wir uns rechtzeitig vorher durchgefragt und hatten schließlich zwei Trail-Permit-Reservierungen für den Tonquin-Valley-Trail (Jasper NP) und den Berg Lake Trail am Mt. Robson.

Samstag, 23. Juli 2005:

Die Flüge von Frankfurt/Main nach Vancouver hatten wir weit vorher bei Condor gebucht, allerdings wurde der Flug quasi in letzter Minute noch auf eine frühere Abflugzeit (12:00 Uhr) vorgebucht, was unsere Reiseplanung wieder mal etwas durcheinander (see subtitle) bringt. Für uns, die wir mit Mietwagen von Chemnitz anreisen, bedeutet das früh um 3:00 Uhr aufzustehen. Im Regen geht es quer durch Deutschland zu fünft mit 2 Mietwagen ab in Richtung Frankfurt. Gleich kurz hinter Chemnitz die erste Schrecksekunde auf der Autobahn. Ein brennender polnischer LKW sorgt samt Feuerwehr für eine Vollsperrung der Autobahn. Zum Glück bekommen wir es rechtzeitig im Verkehrsfunk mit, fahren in Rabenstein auf die Landstraße und kommen nur mit geringer Verzögerung um die Stelle drum herum.

In Frankfurt läuft dann alles normal. Unser Gepäck ist im Limit, der Flug mit Condor ist vom Service und von den (see subtitle) Sitzabständen im Flieger recht angenehm. Für Flugverhältnisse ist das Essen im Flieger auch ganz in Ordnung. Über Grönland und Neufundland erreichen wir ziemlich pünktlich Vancouver. Wir durchlaufen im Flughafen die übliche Imigration Control ohne grossen Aufenthalt, die Kanadier praktizieren (noch) nicht diesen übertriebenen Terrorwahn der Amerikaner. Man ist freundlich zu Touristen wie uns.

Lediglich beim Empfang der Mietwagen müssen wir schließlich nachbessern. Wir hatten einen Sedan (PKW 4-Türer) und einen 4WD (also einen Allradler) für uns 5 Personen über Alamo bestellt. Jedoch ist der dann angebotene Jeep Liberty auf keinen Fall für 3 Personen mit unserem Camping- und Bergsteiger-Gepäck für einen 4-wöchigen Urlaub geeignet. Er ist einfach vom Kofferraum her zu klein und bietet weniger Raum als der PKW. So gehen wir ein Upgrade auf einen Chevrolet Tahoe für 12,-CAD pro Tag ein. Dies ist ein geräumiger Suburban Car, der den drei anderen genügend Platz bietet. Der PKW ist schließlich ein Pontiac Grand Prix, der soweit für Kerstin und mich ok ist.

Vom Flughafen aus finden wir schnell die übers Internet vorbestellte Abercorn Inn Lodge und beziehen unsere 2 Zimmer. Hier kommt es erstmal noch zu Schlüsselverwechslungen, so dass man Kerstin und mir zunächst Schlüssel für ein bereits belegtes Zimmer aushändigt. Das lässt sich aber auch schnell aufklären, und wir bekommen ein "Versöhnungszimmer". Anschließend will uns Jörg in ein Fast-Food-Restaurant verschleppen, was wir aber vor Ort dann doch verweigern. Stattdessen gibt es leckren Salat und ein gutes Irisches Bier in unserem Best Western Hotel, bevor wir uns dann hinreichend kaputt zum Schlafen legen.

Sonntag, 24. Juli 2005:

(see subtitle)

Der Sonntag ist dem Sightseeing in Vancouver vorbehalten. Da wir alle nicht besonders lange schlafen können, sitzen wir alle bereits 7:30 Uhr beim Frühstück. Anschließend fahren wir mit einem der beiden Autos in die Innenstadt, stellen es an der Howe-Street ab und erkunden die Innenstadt zu Fuß. Ich war bereits 1997 schon mal auf einer Dienstreise zu einer ASME-Konferenz in Vancouver und so kann ich die Stadtführung ein wenig übernehmen. Die Tour führt uns durch das Hotel- und Büro-Viertel in Downtown, zum und auf den Tower vom Harbour-Center, nach Gas-Town und weiter nach China-Town. Das Ticket für den Turm vom Harbour-Center hat den Vorteil, dass es 24h gültig ist und so beschließen wir, zum Sonnenuntergang wieder oben auf dem Turm zu sein. Nach dem Besuch des chinesischen Gartens in China-Town machen wir (see subtitle) uns auf in den Stanley-Park, der etwas an den Golden Gate Park in San Francisco erinnert und von dem man einen sehr schönen Blick auf Downtown Vancouver hat. Wir umrunden erst den Kern der Stanley-Park-Halbinsel an ihrer der Stadt zugewandten Seite zu Fuß und kehren dann zu den Totem-Pfählen und zum Vancouver Aquarium zurück. Das Vancouver Aquarium ist einen Besuch durchaus wert, und wir bestaunen die vielen sehr schön angelegten Aquarien bis hin zu den großen weißen Beluga-Walen. Anschließend machen wir noch Bilder an der Lion Gates Bridge und am Hollow Tree, einem der ältesten Bäume hier im Stanley Park. Zum Abend sind wir zurück in der Innenstadt und haben ein gutes Abendessen in Gas-Town. Zum Abschluss unseres ersten Tages in Canada fahren wir noch mal mit dem Lift auf den Tower vom Harbour Center, wo wir pünktlich zum Sonnenuntergang eintreffen. Nun, wo die Sonne im Westen rot untergeht, ist der Dunst nicht mehr so stark wie tagsüber, so dass wir im Osten sogar den gut 70-80km entfernten schneebedeckten Mt. Baker aufragen sehen. Ein ähnliches Bild ergibt sich von der Sky Needle in Seattle mit dem Mt. Rainier, der allerdings noch ein bisschen höher ist. Wir sind von der Sicht über die Stadt und dem sonnigen Empfang in Canada begeistert und hoffen auf ein gutes Gelingen unseres Urlaubs.

Montag, 25. Juli 2005:

Wie immer beim Start eines solchen als "Road-Movie" angelegten Urlaubs beginnt der Urlaub mit einem riesigen Einkauf, wie man ihn normalerweise in Deutschland nie macht. Es gilt Lebensmittel und einige Haushaltsartikel für die ersten 14 Tage unserer Fahrt einzukaufen, von denen wir allerdings ca. 7 Tage auf Trail-wanderung sein werden, wo wir uns hauptsächlich von mitgebrachter gefriergetrockneter Trekkingnahrung ernähren werden (aus Gewichtsgründen). Wir finden am Morgen in der Nähe unseres Best Western Hotels einen riesigen Supermarkt amerikanischer Dimension wo wir alles - eher sogar zu viel - bekommen. Wir shoppen 2 Stunden lang was das Zeug und die Nerven aushalten. Die Einzige, die dabei noch einigermaßen den Überblick behalten kann, ist unsere ernannte Reise-Buchhalterin Kerstin. Zum Schluss sind 2 große Einkaufswagen bis zum Bersten überladen, und die Kasse zeigt 370,-CAD an. Wegen der kanadischen Alkoholgesetze fehlen uns allerdings nun noch das Bier und der Rotwein, so dass wir noch einen Stopp am nahe gelegenen Liquor Store einlegen. Anschließend suchen wir noch die örtliche Filiale von Mountain Equipment Coop. am Broadway auf und besorgen uns noch 1-2 Wanderkarten, Kocherbenzin, etc.

(see subtitle)

Derart versorgt starten wir unsere Reise in Richtung Norden und überqueren die Bay-Brücke. Wir wollen noch mal einen Abstecher zur Capilene Suspension Bridge auf der westlichen Bayseite machen, bevor wir in den Norden durchstarten. Diese Attraktion hat sich aber seit 1999 zu einem Familien-Freizeitpark mit Ganztagesangebot gemausert, so dass man jetzt unabhängig vom Zweck und Dauer des Besuchs 25,-CAD pro Person Eintritt verlangt. Auf Grund dessen verzichten wir dann doch auf das Vergnügen, den tief eingeschnittenen Canyon auf der weiten Hängebrücke zu überqueren. Wir essen noch Mittag am unteren Ende der Capilene-Straße und machen uns dann auf über den Highway 99 in Richtung Squamish. Das Wetter meint es gut mit uns, so dass wir schöne Eindrücke von dem Küstenhighway mitnehmen. Unterwegs kurzer Stopp am Shannon-Fall, Bilder vom Mt. Garibaldi (ein weiterer der Küstenvulkane; wir sind uns anfangs nicht sicher, ob er es auch war, können es aber dann später zu Hause anhand von Abbildungen in einem Führer verifizieren) und vom Stawamus Chief - einem straßennahen und spektakulären Kletterfelsen. Kurze Zeit später biegen wir ab auf einen 8km seitlich der Straße gelegenen Zeltplatz. Hier hat es zwar ein paar Mücken und der Platz ist etwas staubig, aber wir wollen heute nicht weiter fahren, da wir noch ca. 1.5h für das Einsortieren unserer Vorräte in die Autos benötigen und am kommenden Tag unsere erste Bergwanderung hier in der Nähe machen wollen.

Dienstag, 26. Juli 2005:

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Von unserem Zeltplatz starten wir zeitig zum Ausgangspunkt unserer ersten Wanderung, die in der Nähe von Whistler zum Garibaldi Lake führen soll. Wir finden ohne Probleme den Trailhead-Parkplatz (3 CAD Gebühr) und steigen in unsere Wanderroute (see subtitle) ein. Der Pfad führt zunächst steil in Serpentinen bergauf durch total bemoosten kanadischen Bergzedernwald. Nach ca. 2h Aufstieg erreichen wir den ersten See hinter einer steil abbrechenden Basalt- und Lavabarriere (daher Barrier Lake). Kurze Zeit später passieren wir den Lesser Garibaldi Lake, der schon so gut wie jedes Klischee eines kanadischen Bergsees erfüllt (schönes türkises Wasser, bewaldete Ufer, schwimmende entrindete Zederstämme). Nach nochmaligem Auf- und Abstieg am Seeufer erreichen wir nach insgesamt 3.5h Wegzeit den Garibaldi Lake mit seinem wirklich sehr schönen Bergpanorama. Hier hat man vom Seeufer nun einen recht weiten Blick auf die Berge ringsum, währenddessen die beiden vorangegangenen Seen eher im Wald eingebettet liegen. Der Mt. Garibaldi ist allerdings von hier aus noch nicht zu sehen, da er von anderen Bergen verdeckt wird. Der Rückweg und Abstieg zieht sich dann ein wenig, wenngleich ein Grossteil des Wegs zum Glück wieder im Schatten des Waldes liegt. Die Sonne ist hier auf moderater Höhe doch recht heftig. Abends auf dem Zeltplatz dann Spaghetti-Kochen, Eis essen, ein abendlicher Rotwein und Lagerfeuer. Wir haben das Gefühl, nun im Urlaub angekommen zu sein.

Höhenmeter : 965 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 7:10 h

Entfernung: ca. 16-18 km

Mittwoch, 27. Juli 2005:

Heute ist ein fast ausschließlicher Fahrtag an dem es insgesamt 370km werden. Wir wollen innerhalb von zwei Tagen von der Küste nach Jasper kommen. Wir fahren zunächst den Hw-99 über Whistler, Pemberton und Lillooet. Unterwegs machen wir gelegentlich Fotostopps, so am See bei Whistler und an einem malerischen kanadischen See, an dem der Wind eine fast 50m breite Barriere aus Baumstämmen aufgeschichtet hat. (see subtitle) Blauer Himmel, schneebedeckte Berge - es werden wieder alle kanadischen Klischees erfüllt. Unterwegs rollt uns auch fast der erste Schwarzbär vors Auto. Da ich selber fahre, kann ich es nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen. Aber der kleine Kerl kommt aus dem Wald an die steile Straßenböschung, guckt kurz wie er da wohl runter kommt, dreht sich um und setzt sich rückwärts zur Böschung hin und lässt sich einfach herunterrollen. Unten angekommen schüttelt er sich kurz etwas benommen und rennt dann schnurstracks über die Strasse mitten zwischen unserem ersten und zweiten Auto hindurch. Frank und Kerstin gelingt dann nach dem sofortigen Anhalten sogar noch ein Bild vom Bär.

(see subtitle)

In Lillooet bekommen wir in einer amerikanisch-ländlichen Straßengaststätte etwas sehr amerikanisches zu Essen (Bacon Burger mit French Fries und Coke - also sehr traditionsbewusst in dieser Umgebung). Die Kneipe sieht aus, als wären hier in diesem Ort die 60-er Jahre stehen geblieben. Rot bezogene Kunstleder-Sofas mit den typischen an Eisenbahn-Mitropa erinnernden Tischen dazwischen. Die Kinder der Betreiber helfen beim Servieren. Laufender Fernseher mit Baseball. Amerikaner (in dem Fall wohl eher Kanadier), die ob ihrer Leibesfülle kaum zwischen Tisch und Sofalehne passen. Typisch amerikanische Kleinstadt-Gespräche zwischen Gästen und Bedienung.

Nach dem Mittag gehts weiter über den Hw-97 bis nach 93 Mile House und dann noch ein Stück weiter auf dem Hw-24. Die Landschaft wechselt von noch grünem Bergwald zu fast wüstenhaft karger Steppenlandschaft im Tal des dreckig-braunen Fraser-River, der sich hier tief ins Gestein eingeschnitten hat. Danach wandelt sich die Landschaft wieder zurück zu runderen und bergigeren Landschaftsformen mit mehr Wald und vielen eingebetteten Seen. In der Nähe von Bridge Lake finden wir einen netten kleinen Campingplatz (4 Pine Campground) an einem See, in dem wir nachmittags bei Sonne und ca. 20 Grad Wassertemperatur sogar unerwarteter Weise baden können. Erst spät am Abend fängt es mal an zu regnen, da haben wir aber schon gekocht und gegessen.

Donnerstag, 28. Juli 2005:

Die Nacht hier auf dem Campingplatz war ruhig und doch deutlich kühler als die vorangegangene. Man merkt die größere Höhe gegenüber der Küste. Früh bei Frühstück und Zelte abbauen sind wir ziemlich schnell. Kerstin und ich sind eingespielt und die anderen drei machen das auch nicht das erste Mal. Schnell sind wir wieder on the road again" (bei gleich lautender Musik). Der Highway bis zum Mt. Robson bietet wenige Highlights, links und rechts viel kanadischer Wald und wenig Verkehr. So schnurpsen wir die Meilen herunter und sind gegen Mittag bereits am Visitor Center am Fuße des Mt. Robson.

Unser telefonisch vor 3 Monaten reserviertes und mit Kreditkarte bezahltes Permit kann uns wegen nicht vorliegender Unterlagen heute noch nicht ausgestellt werden (es ist erst für den 1. August). Nach dem Regen von gestern abend versteckt sich der Berg selbst in Nebel und Wolken und auch die Langzeit-Wetterprognose für unseren Aufstiegstag zum Berg Lake auf der nördlichen Rückseite des Mt. Robson lautet auf mies-wolkig mit 80% POP (Probability of Precipitation - Niederschlagswahrscheinlichkeit). Erst am Dienstag soll wieder ein schöner Tag mit überwiegend sonnigem Wetter werden.

Wir fahren also weiter nach Jasper und registrieren hier bei der Nationalpark-Verwaltung unsere Autokennzeichen auf unser vorbestelltes (und nach Deutschland zugeschicktes) Permit für den Tonquin-Valley-Trail, das wir uns für die kommenden drei Tage ausstellen lassen haben. Auch für diese Gegend sind die Wetteraussichten nicht so toll. Im Tonquin Valley soll es viele Mücken haben, stellenweise sollen auch die Wegbedingungen (trail conditions) recht schlecht sein - sprich knöchel- bis knietiefer Schlamm durch aufgeweichte Wege. Die Wetterprognose hier liegt für die unmittelbar kommenden Tage bei 30-40% POP. Wir versuchen, uns nicht die Laune verderben zu lassen und optimistisch an unserem Plan festzuhalten.

In Jasper kaufen wir Briefmarken, ein Baguett, Joghurt, zweimal Mückenkopfschutz aus Gaze und Ansichtskarten für die unvermeidliche Urlaubspost nach Hause. Dann fahren wir auf den uns schon von 1997 bekannten Wabasso-Campground südlich von Jasper - einen der größten in Banff & Jasper NP. Entsprechend unseres Plans buchen wir uns erstmal nur für eine Nacht auf dem Zeltplatz ein. Wir sind nach dem Zelte aufbauen gerade beim Kochen, als sich ein Gewitter anschleicht. Das während des Kochens schnell errichtete Tarp über Bänken, Tisch, Kocher und Töpfen bewahrt uns vor dem Gröbsten, und wir können trotz des Gewitters in relativer Ruhe Abendbrot essen. Aber die Zuversicht, sich morgen auf den Tonquin-Valley-Trail zu begeben ist durch die schlechten Nachrichten und den Regen leicht erschüttert. Zu allem Hohn soll die kommenden zwei Tage im Süden in Banff NP schönstes Wetter sein, was aber angesichts unseres Termins am Berg-Lake-Trail zu weit weg ist. Wir beschließen, den Morgen abzuwarten und dann über das Programm der kommenden drei Tage zu entscheiden.

Freitag, 29. Juli 2005:

Der Morgen beginnt zunächst mit trübem und niesligem Wetter, so dass wir uns schon fast entschließen, den Tonquin-Valley-Trail sein zu lassen. Nur das lange kanadische Feiertagswochenende um den 1. August herum macht uns einen Strich durch diese Rechnung. Eine Nachfrage auf dem Wabasso-Campground ergibt, dass wir für die kommenden drei Nächte in Jasper NP wahrscheinlich (see subtitle) keine Übernachtung mehr bekommen. Es ist alles ausgebucht und man bietet uns einen wenig gemütlichen und nur dürftig ausgestatteten "Overflow Campground" im Osten von Jasper an ("an open wide space, where it is not a lot of fun to camp on" - ein großer weiter Platz, wo es nicht sehr viel Spaß macht, zu campen). Da die Sonne aber gegen 9:30 Uhr beginnt, die Wolken zu durchdringen und etwas aufzulösen, entscheiden wir uns unter diesen gegebenen Voraussetzungen für den geplanten Tonquin-Valley-Trail und gegen den Overflow Campground. Wir packen noch auf Wabasso CG unsere Rucksäcke für die kommenden drei Tage, was ein wenig mühsam ist, da Kerstins und mein Stellplatz ein paar Meter von dem Stellplatz der anderen entfernt ist und wir ständig zwischen den Autos und Zelten hin- und herlaufen. Gegen 10:30 Uhr fahren wir von Wabasso CG über die Edith Cavell Road zum Ausgangspunkt des Tonquin-Valley-Trails, wo wir so gegen 11:30 Uhr loslaufen. Das Wetter ist nun abschnittsweise sogar sonnig geworden, auf jeden Fall aber für den ersten Wegabschnitt trocken. Zunächst geht es leicht bergab, bis man den Fluß erreicht hat. An einer Pferde-Raststelle mit Bänken, wo der Weg zur ACC-Hütte (ACC - Alpine Club of Canada) abzweigt, machen wir eine schöne Rast. Der Taleingang entlang des Flusses weitet sich hier erstmalig zu einer weiteren Sicht in Richtung des Eremite Valley und in Richtung des Tales des Amethyst Lakes vor der Felsengruppe der Ramparts, auch wenn die direkte Sicht auf diese Felsengruppe noch von Wald versperrt ist und die Fernsicht heute wegen der ziehenden Wolken sowieso eingeschränkt ist.

(see subtitle)

Kurze Zeit nach der Rast steigt der Trail im Zick-Zack an und macht hier den Großteil der 400 Hm, die laut Führer für diese Wegetappe angekündigt waren. Quasi am Scheitelpunkt dieser Switchbacks (Serpentinen) werden wir vom ersten Gewitterguss eingeholt und müssen zur Gore-Jacke greifen. Von hier oben auf 2100m Höhe hat man nun einen sehr schönen Blick über das Tal des Amethyst Lake, das Eremite Valley und die felsige Bergkette der Ramparts. Wir versuchen, den Clitheroe CG noch vor dem nächsten Regen zu erreichen, werden aber noch ein zweites Mal nass. Der Weg hier ist nach den beiden Regengüssen und dem Regen der Vortage ziemlich schlammig. Pferde der Ranger und ihrer Gäste tun zum Wegzustand ihr übriges. Am Clitheroe CG angekommen, finden wir recht aufgeweichte Zeltstellflächen in einem Fichtenwald vor und müssen unsere Zelte quasi im Schlamm aufbauen. Es ist dann eine Herausforderung im Zelt die nassen von den trockenen Sachen einigermaßen getrennt zu halten. Bei immer wieder einsetzendem Nieselregen kochen wir an der dafür eingerichteten Sitzgruppe mit Tisch, die sich in deutlicher Entfernung von den Zelten befindet. Wir sind ja nun in potentiellem Bärengebiet und separieren nach dem Essen unsere Lebensmittel, um sie an dem Gestell mit bärensicherem Drahtseil in sicherer Höhe über Nacht aufzuhängen.

Hinsichtlich der Mücken hat der Ranger in Jasper auch nichts Falsches versprochen. Wir sind auf dem Weg, auf dem Zeltplatz, im Wald und beim Kochen ständig von hunderten von Mücken umgeben. Solange man in Bewegung ist, halten sie sich noch weitgehend zurück, außer an Körperstellen, wo sie eindeutig die Wehrlosigkeit des Menschen erkennen. Dies sind beim Wandern mit schwerem Rucksack vor allem die Waden und die Schulterblätter, da man dort so gut wie nicht oder nicht schnell genug hinkommt, um einem Mückenstich zuvor zu kommen. Dabei sind die kanadischen Mücken deutlich langsamer in ihrer Reaktion als ihre europäischen Schwestern, so dass man sie eigentlich meist erschlagen könnte. Aber sie sind hier natürlich in deutlicher zahlenmäßiger Übermacht. Ohne mit Mückenschutzmittel eingerieben zu sein und ohne Mücken-Kopfschutz, den wir für Jörg und Kerstin noch in Jasper besorgt haben, wäre es schlicht nicht auszuhalten. Gore-Sachen und Zelt bieten dagegen einen recht zuverlässigen Schutz. Trotzdem sind wir nach diesem einen Tag an den Ohren, an den Schulterblättern und an Ellenbogen und Oberarmen ganz zerstochen.

Höhenmeter : 575 Hm im Aufstieg und 200 Hm Abstieg

Gehzeit : 6:30 h

Entfernung: ca. 16 km

Samstag, 30. Juli 2005:

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Nach einiger morgendlicher Diskussion entschließen wir uns für die Wanderung in Richtung Eremite Valley. Die Nacht haben wir ganz gut geschlafen, auch wenn es wieder zweimal geregnet hat, was nicht zum Abtrocknen der Umgebung beigetragen hat. Früh während des Frühstücks sieht es auch wieder recht wolkig aus, bessert sich dann aber mit zunehmender Sonne.

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Nach kurzem Abstieg vom CG erreichen wir die Warden-Station am Amethyst Lake und kommen dann auf das nur von niedrigen Büschen und Gras/Moos bewachsene sumpfige Flachland, dass den Amethyst Lake umgibt. Aber trotz anfänglicher Zweifel ist der Weg zwar nass aber doch gangbar und wir kommen zur Brücke über den See-Abfluß und zum dort gelegenen Surprise Point CG. Von hier folgen wir dem besseren Trail bis zur Wates-Gibson-Memorial-Hut des ACC. Wir finden die Hütte von einem Pärchen bewohnt vor, dass uns im Warmen und Trockenen der Hütte gastfreundlich aufnimmt und wir essen hier unser Mittag (kurzzeitig ohne Mücken). Wir plaudern mit den beiden, die hier das lange kanadische Wochenende verbringen und sich für ihre Bergtouren auch besseres Wetter gewünscht hatten. Wegen fortgeschrittener Zeit und unterschätzter Entfernung verzichten wir auf einen Weiterweg ins Eremite Valley und kehren zu unserem CG auf gleichem Wege um. Der Rückweg verläuft ohne Komplikationen. Den Weg hat in der Zwischenzeit ein großes Tier mit großen Hufen gequert (Durchmesser des Abdrucks vielleicht 12-15cm), von dem wir annehmen, dass es ein Wapiti-Hirsch gewesen ist. Sehen tun wir aber zunächst nichts davon. Wir sind recht zeitig wieder am Zeltplatz zurück und machen uns Mousse-au-Chocolate und Tee. Heute sind nachmittags sogar ein paar Ruheminuten im Zelt mit Buch lesen drin. Frank, Regina und Jörg gehen gegen Abend noch mal mit dem Fernglas zum Seeufer hinunter und beobachten auf den Wiesen Caribous (die kanadischen Rentiere). Das Wetter blieb letztendlich den ganzen Tag über freundlich-durchwachsen und ohne größeren Regen. Entsprechend unserem Zeitplan machen wir uns morgen wieder auf den Weg zu unseren Autos, um dann zum Mt. Robson für den Berg-Lake-Trail umsetzen zu können.

Höhenmeter : 360 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 6:30 h

Entfernung: ca. 11 km

Sonntag, 31. Juli 2005:

Heute steigen wir vom Clitheroe CG ab in Richtung des Trailhead des Tonquin-Valley-Trails, wo unsere Autos stehen. Oberhalb des CG eröffnen sich heute morgen noch einmal sehr schöne Ausblicke auf die Bergkette der Ramparts. Später begegnen wir einem Reiter-Führer mit seinem Gast, der schon an dieser Stelle vom Ritt leicht gezeichnet ist, aber noch die Hälfte des Weges vor sich hat. Sie wollen zum Forellenfischen an einen der oberen Seen hinter Amethyst Lake, wo sich eine komfortable (und teuere) Lodge befindet. Auf dem Weg beobachten wir noch Blauhäer, ein (see subtitle) (Wald-)Murmeltier-artiges Tier und weitere Vögel und Eichhörnchen. Am Auto angekommen, machen wir uns am Ufer des Edith Clavell Lake fein für die Zivilisation und fahren los auf Übernachtungsplatz-Suche.Wir probieren es spaßhalber auf Wabasso CG und bekommen erstaunlicher Weise eine sehr schöne Double-Unit in der Nähe des Flussufers des Athabasca Rivers mit einem Permit zum Feuermachen. Offenbar hat das Wetter der letzten 3 Tage doch den einen oder anderen Kanadier abgeschreckt, über das lange Wochenende nach Jasper zu kommen. Nun müssen wir nur noch Einkaufen und uns um unser Permit für die Berg-Lake-Trail-Tour kümmern.

Wir fahren also mit einem der Autos nach Jasper und sehen unterwegs einen Schwarzbären an der Straße in unmittelbarer Nähe von Wabasso CG. Die Bärenwarnungen der Ranger sind somit zu Recht so eindringlich. In Jasper dann erkundigen wir uns dann nach der richtigen Telefonnummer des Visitor Centers am Mt. Robson und klären mit einem Anruf unser morgiges Erscheinen für den Start zum Berg Lake. Anschließend bummeln wir durch Jasper, tätigen unsere Einkäufe, Werfen geschriebene Ansichtskarten in den Postkasten, genießen Cappucino mit handmade Brownies, ein Eis für jeden und bummeln noch durch das eine oder andere Geschäft an Jaspers Ladenstraße, z.B. den Weihnachtsshop, der auch im Sommer mit vollem Angebot aufwartet.

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Auf der Rückfahrt zum Wabasso CG sehen wir an der Straße unseren ersten (und auch einzigen) Beeren-futternden Grizzlybär - blond, groß, dick und nicht aus der Ruhe zu bringen, auch nachdem am Straßenrand so um die 5-6 Autos angehalten haben. Er strolcht in ca. 50m Entfernung von der Straße durch den Wald und genießt seine Beerenmahlzeit.

Wieder am CG angekommen beginnen die Sortierarbeiten für den morgen kommenden Berg-Lake-Trail, der uns für 3 Übernachtungen auf die Rückseite des Mt. Robson zum dortigen Berg Lake führen wird. Wir nutzen das freundliche Wetter mit ein bisschen Sonne zum Trocknen unserer Sachen, sortieren die Rucksäcke und Lebensmittel für die kommenden 4 Tage. Abends gibts dann Chili con Carne, Bier und Rotwein. Wir genießen am Abend einen kurzen Ausflug zum Ufer des Athabasca River, wo die umliegenden Felsengipfel von der Abendsonne angestrahlt werden. Der Fluss führt viel Wasser und hat reißende Strömung. Seine Herkunft von den Gletschern des Columbia Icefields spürt man deutlich. Es ist am Flussufer deutlich kälter und das Wasser ist eiskalt. Mittlerweile hat sich das Wetter in Richtung sonniges und trockneres Wetter gewandelt, so dass wir für morgen und die folgenden Tage für unseren Trail bester Hoffnung sind.

Höhenmeter : 200 Hm im Aufstieg und 575 Hm Abstieg

Gehzeit : 6:00 h

Entfernung: ca. 16 km

Montag, 1. August 2005:

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Wir stehen zeitig auf Wabasso CG auf und packen zügig alles zusammen. Das Wetter hier bei Jasper ist noch so freundlich wie am Tag zuvor, ist aber leider am Fuße des Mt. Robson deutlich bedeckter mit der Tendenz zur Schauerbildung. Um 8:00 Uhr macht das Visitor Center am Mt. Robson auf und wir haben 1,25h vom Wabasso CG aus zu fahren. Auf der Fahrt sehen wir unmittelbar am Ortseingang von Jasper noch ein Caribou-Kalb (o.ä.). Die 100km zurück zum Mt. Robson bringen uns kaum Zeitverzug,, da wir die Uhr wieder 1h zurückstellen dürfen (wir haben wieder die Grenze von Alberta nach British Columbia überquert). Am Visitor Center angekommen, bekommen wir gegen 8:30 Uhr unser Permit für die 4 Tage auf dem Berg-Lake-Trail und um 9:15 Uhr starten wir auf die lange Distanz von 21 km vom Trailhead ins Valley Of The Thousand Falls. Der Weg verläuft zunächst fast flach durch grün bemoosten Zedernwald bis zum Kinney Lake. Auf dem dortigen CG machen wir in dem Shelter eine kurze Rast. Kurz nach dem Weitergehen erwischt uns aber an dem hügeligen, bewaldeten Ufer ein kleines Gewitter, dass wir unter den dichten Bäumen abwarten. Da die starken Steigungen des Trails noch vor uns liegen, wollen wir die Regensachen nach Möglichkeit vermeiden. Über einen ersten steilen Anstieg von ca. 250 Hm erreichen wir die Swing-Bridge an der Ranger-Station und am CG von Whitehorn. Hier öffnet sich der Blick in ein Tal voller Wasserfälle, die von weit oben über die Felsenränder herabstürzen und z.T. zerstäuben. Gezählt haben wir sie nicht, aber wie immer scheinen die Amerikaner und Kanadier hier mit der Zahl 1000 leicht und nur geringfügig zu übertreiben.

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Von Whitehorn CG steigt der Weg nun zu seiner zweiten Steilstufe an, die deutlich höher als die erste ist und z.T. sehr nahe an den Wasserfällen White Falls, Falls of the Pool und Emperor Falls vorbeiführt. Die starken Wassermassen, die hier über die Wasserfälle als Entwässerung des Berg Lake zu Tal gehen, haben den Felsen der Talsohle in aufrecht stehende Felsscheiben von 20-100m Dicke "zersägt", auf deren Oberkante man sich entlang des Trails weiterbewegt. Der Weg hinauf zum Berg Lake ist so eine ganz schöne Kraft- und Ausdauerleistung, zumal man ja Schlafsack, Zelt, Anziehsachen und Verpflegung die 980 Hm hinauf schleppt. Das Panorama des Berg Lakes und des Mt. Robson mit den vom Gipfel bis in den See hinunter ziehenden Gletschern entschädigt dann aber für diese Anstrengung vollständig. Die Umgebung des Berg Lake ist grandios und es ist verständlich, dass dieser Trail einer der beliebtesten in den Kanadischen Rockies ist.

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Unterwegs nieselt es immer mal wieder und ob des grauen Himmels fotografieren wir sparsam. Nach noch mehreren Pausen erreichen wir das Hochtal des Berg Lake auf der Rückseite des Mt. Robson, müssen aber noch mehr als das halbe Seeufer ablaufen, um zu unserem CG zu kommen. Dieser ist dann aber wirklich sehr schön in unmittelbarer Nähe des Seeufers im Waldrand gelegen. Es gibt ein richtiges Blockhaus mit Holzofen als Shelter, wo man abends Kochen, Essen und Sitzen kann. Der Holzofen ist jedoch nur im Notfall zu betreiben, da es nicht erlaubt ist, Brennholz im umliegenden Wald zu schlagen. Es kommt mit dem Hubschrauber hier herauf, da der lokale Wald zu langsam nachwachsen würde. Wir richten uns auf zwei der vorbereiteten und mit Holzhäcksel gefüllten Tent Patches ein und belegen abends einen der rustikalen Holztische im Blockhaus. In der Nacht klaut uns eine Maus aus einer der verriegelten Essenskisten aus einem Ortlieb-Sack einen Teil unserer als Trail-Nahrung mitgenommenen Nussvorräte, der Verlust lässt sich aber verschmerzen - hoffentlich hat es ihr geschmeckt. Man braucht also in Canada/USA nicht nur bärensichere Food-Container, sondern auch vor Mäusen sichere.

Höhenmeter : 980 Hm im Aufstieg und 195 Hm Abstieg

Gehzeit : 8:00 h

Entfernung: ca. 21 km

Dienstag, 2. August 2005:

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Nach dem anstrengenden Aufstieg vom Mt. Robson Visitor Center zum Berg Lake haben wir uns für heute ein etwas leichteres Tagesprogramm ausgesucht. Das Wetter hat sich noch nicht vollständig erholt, ist aber freundlich, teilweise sonnig und soll in den kommenden 2 Tagen dann sehr gut werden. Auch deshalb heben wir uns die Wanderung entlang der Seitenmoräne des Robson Glaciers für morgen auf.

Nach einer gut verbrachten Nacht und gemütlichem Frühstück im Blockhaus des Zeltplatzes machen wir uns auf den Weg auf die Mumm-Basin-Route, besuchen aber vorher noch den Adolphus Lake auf der anderen Seite des Robson Passes, der bereits wieder in Alberta liegt (wir "wohnen" ja auf unserem Zeltplatz in British Coloumbia). Der Robson Pass markiert hier die Continental Divide, also die globale Wasserscheide der Rockies.

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Dann gibt es zunächst trotz einer Karte und objektiven Wegemarken leichte Orientierungsprobleme, weil wir Männer mal wieder die Karte zu ernst nehmen. Unsere Frauen dagegen pfeifen auf solche Dinge wie Pässe, Bäche, Seen, relative Lage von Bergrücken zueinander, u.ä. und entdecken den Weiterweg am Robson Pass CG anhand von durch die Parkverwaltung aufgestellten Wegweisern. So vorzugehen ist ja aber auch trivial und entspricht nicht der männlichen Grundeigenschaft, Herausforderungen der Orientierung grundlegend anzunehmen und einer Lösung anhand topografischer Hilfsmittel zuzuführen. Einmal gefunden, steigt der Weg vom Robson Pass CG dann ca. 400 Hm steil an und gewinnt alpines freies Gelände oberhalb der Baumgrenze. Von hier haben wir eine prima Sicht über Robson Glacier, Berg Glacier und Mist Glacier sowie die Seen an der Sohle des Hochtales. Der Mt. Robson selbst hüllt sich heute leider noch in Wolken. Auf dem Berg Lake schwimmen auf der anderen Seite Eisberge, die vom Robson Glacier von Zeit zu Zeit mit lautem Getöse abbrechen. Oben am Hang geht der Weg (see subtitle) oberhalb der Baumgrenze entlang bis zum Hargreaves Lake und gleichnamigem Gletscher, der aber nur ein kümmerlicher Rest im Vergleich mit den Gletschern darstellt, die einem auf der anderen Talseite geboten werden. Unterwegs und auf dem Rückweg zum Berg Lake CG gönnen wir uns viel Zeit zum beobachten und fotografieren von Murmeltieren (hoary marmots), Hörnchen aller Sorten (squirrels), Vögeln und Blumen. Ein herrlicher Urlaubstag.

Den sonnigen Nachmittag, an dem es mehr und mehr aufklart, verbringen wir in der Nähe des Berg Lake CG und am Seeufer. Wir lauern auf abbrechende Eisberge und darauf, dass der Gipfel des Mt. Robson frei von Wolken wird. Außerdem spielen neben dem Blockhaus ein auch auf dem CG wohnendes Murmeltier und schwarze Eichhörnchen, die sich gerne aus nächster Nähe fotografieren lassen. Abends gegen 20:00 Uhr wird der Gipfel des Mt. Robson im letzten Abendlicht der Sonne frei von Wolken.

Höhenmeter : 635 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 7:00 h

Entfernung: ca. 15 km

Mittwoch, 3. August 2005:

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Der Wetterbericht hat Wort gehalten, so dass wir die Tour zum Snowbird Pass (2435m) heute angehen werden. Früh herrscht strahlend blauer Himmel und es wird ein perfekter Tag. Wir stehen wieder gegen 7:15 Uhr auf und starten gegen 8:45 Uhr auf unsere Wanderung. Der Weg führt uns zunächst wieder in Richtung Robson Pass. Wir gehen zum am Weg gelegenen See an der Ranger-Station, in dem sich der Mt. Robson spiegeln soll, was er aber heute wegen ein wenig Wind leider nicht tut. Dann queren wir in das Seitental des Robson (see subtitle) Glaciers und steigen über Moränen-Geröll auf die linke Randmoräne hinauf, die fast 300m hoch ist. Auf dieser geht es weiter in das Tal hinein, bis der Mt. Robson links vom Rearguard Mountain wieder zum Vorschein kommt. Auf diesem Weg beobachten wir eine weiße Bergziege (Mountain Goat) mit dem Fernglas und sehen eine Snowbird-Henne mit 3 Kücken auf dem Weg. Die Tiere sind mit ihrem Gefieder so perfekt getarnt, dass man sie auf dem Geröll selbst aus kurzer Entfernung kaum erkennen kann, wenn sie sich nicht bewegen.

Am Ende der Randmoräne geht es an einem linksseitig zuströmenden Bach in ein weiteres sehr schönes Seitental, das im unteren Teil auch recht grün ist. Im Frühjahr sollen hier die Caribous ihre Jungen zur Welt bringen. Oben beim letzten (see subtitle) 300Hm-Aufstieg zum Snowbird Pass ist es dann die reine Schotterhalde. Man wird aber bei unserem Kaiserwetter mit weiter Aussicht auf die Berge im Osten und Norden belohnt. Unterwegs sehen wir viele Murmeltiere und Squirrels. Am Pass sind wir ca. 13:00 Uhr und machen fast eine Stunde Rast. Dann geht es schnell die Schotterhalde hinunter und talauswärts. Kurz vor dem Erreichen der Randmoräne machen wir auf den Hochalmwiesen noch mal Rast und entdecken mit dem Fernglas drei in der Mt. Robson Nordwand absteigende Bergsteiger. Nun geht es bei ziemlicher Wärme die Randmoräne wieder hinunter und der Weg zieht sich auch noch ein wenig, bis wir wieder am Zeltplatz sind. Unterwegs haben wir heute den Mt. Robson bei besten Bedingungen in allen Lebenslagen fotografiert. Auch einen Berg nordwestlich des Mt. Robson, der wie ein kleines kanadisches Matterhorn aussieht, dessen Namen wir aber nicht kennen.

Zurück am Zeltplatz sind wir heute alle redlich geschafft und die Füße tun weh nach dieser langen Tour (dagegen hilft unser kalter Bergbach neben dem CG). Aber es war eine perfekte Bergtour.

Höhenmeter : 910 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 9:00 h

Entfernung: ca. 22 km

Donnerstag, 4. August 2005:

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Heute heißt es Abschied nehmen von unserem exklusiven Campground am Berg Lake. Da wir alles bei bestem Wetter gesehen haben, fällt der Abschied leichter. Das heutige Wetter tut sein übriges, denn eine hohe Schichtbewölkung zieht langsam auf. Wir starten nach Frühstück und Zeltabbau früh um 9:00 Uhr und sind zügig im Abstieg. Unterwegs ergibt sich erst noch eine schöne Stelle am See, wo der sich spiegelnde Mt. Robson in voller Höhe fotografiert werden kann. Dann erreichen wir den Emperor Fall, dessen riesiger, in weitem Bogen aus dem Fels sprühender Fontäne wir dieses Mal einen Besuch abstatten. Hier sehen wir aus geringer Distanz ein Huhn und ein Küken aus der Familie der Birkhuhn-artigen (keine genauere Bestimmung möglich). Weiter unten bieten sich dann Falls of the Pool und der White Fall zum (see subtitle) Fotografieren an. Wie auf so langen Wanderungen mit unserem Gepäck mittlerweile gewohnt, zieht sich der Weg dann wieder auf den letzten Kilometern. Gegen 15:30 Uhr sind wir dann zurück auf dem Parkplatz bei unseren Autos. Kurz waschen wir uns im Robson River, bevor wir Kaffee und Kuchen im Robson Visitor Center genießen. Dann nehmen wir Aufstellung zum ultimativen Gruppenbild vor dem gut in voller Größe zu sehenden Mt. Robson (was nur an 130 Tagen im Jahr der Fall sein soll). Ich gebe meine Kamera dazu einem zufällig gleichzeitig mit uns ankommenden Harley-Biker, der sich spaßhalber damit versucht aus dem Staub zu machen, anstelle uns zu fotografieren. Gut, dass er es zum Glück damit nicht ernst gemeint hat.

Für die Übernachtung fallen wir gleich gegenüber dem Visitor Center auf dem Robson Meadows CG ein. Das lange kanadische Feiertags-Wochenende ist vorbei, so dass es nun keine Übernachtungs-Engpässe mehr gibt. Wir genießen die gebotene kostenlose warme Dusche. Der Rest des Tages bietet uns genügend Zeit um unsere ganze Ausrüstung wieder für die kommenden Tage in den Autos zurecht zu sortieren. Morgen gehts dann auf den Icefield Parkway gen Süden in Richtung Banff NP.

Höhenmeter : 195 Hm im Aufstieg und 980 Hm Abstieg

Gehzeit : 6:30 h

Entfernung: ca. 21 km

Freitag, 5. August 2005:

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Heute ist mehr oder weniger wieder mal ein Fahrtag. Nach den beiden Wanderungen auf dem Tonquin Valley Trail und dem Berg Lake Trail müssen wir mal wieder ein paar Meilen mit den Autos machen. Wir fahren früh vom Mt. Robson den schon bekannten Highway nach Jasper und sehen unterwegs direkt an der Straße zwei kapitale Wapiti-Hirsche, die für uns Parade laufen und als Fotomodel herhalten. In Jasper wird dann Wetterbericht besorgt, für die nächsten 4 Tage eingekauft, Ausschau nach schönen T-Shirts und anderen Mitbringseln gehalten und ein Mittagessen bei Pizza Hut eingenommen (von den ganzen Fast-Food-Ketten noch die bekömmlichste).

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Von Jasper fahren wir dann den Icefield Parkway südwärts und besichtigen die Athabasca und Sunwapta Falls, die sich aber seit 1997 nicht stark verändert haben. Auf dem Wilcox CG (dem zweiten nach dem Coloumbia Icefield Visitor Center aus nördlicher Richtung kommend) beziehen wir auf zwei eng beieinander liegenden Stellplätzen Quartier und fahren anschließend noch mal zurück ins Visitor Center am Coloumbia Icefield. Beim Anblick der Schneesituation am Mt. Andromeda in der Skyladder-Route (ein vorher eventl. als möglich ausgemachtes Gipfelziel) ist ziemlich schnell klar, dass diese Tour um diese Jahreszeit viel zu wenig Firn und Schnee hat, um von uns erfolgreich gemeistert zu werden. 1997 haben drei von uns den Mt. Athabasca auf der Normalroute bestiegen. So entscheiden wir uns für morgen für die Aussichtskanzel des Mt. Wilcox, den wir direkt vom CG aus angehen können.

Samstag, 6. August 2005:

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Heute begehen wir Jörgs Geburtstag mit Blumen und einem improvisierten Geschenk. Dann starten wir gegen 9:00 Uhr zum Wilcox Pass (2356m) und weiter zum Gipfel des Mt. Wilcox (2892m). Schnell sind wir oberhalb der Baumgrenze, da unser CG schon auf 2060m Höhe liegt. Unterwegs sehen wir wieder Schneehühner und ein Erdhöhlen bewohnendes Tier, das deutlich kleiner als ein Murmeltier ist. Wir tippen erst auf Präriehunde, können es aber später als Coloumbian Ground Squirrel oder Golden Mantled Ground Squirrel bestimmen - das mit den vielen Squirrels ist für uns Europäer schon kompliziert.

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Der weitere Aufstieg zum Mt. Wilcox geht vom Wilcox Pass zunächst über weite Schotterterrassen. Dann wird das Gelände aber steiler und der Weg geht in leichte Kletterei über Rippen und durch Veschneidungen über. Der Fels ist hier aus einem extrem scharfkantigen vulkanischen Gestein. Auf dem Weg ist alles reichlich schotterdurchsetzt und entsprechend in der Gruppe heikel zu gehen, da man kaum Klettern kann, ohne Schottersteine loszutreten. Im Aufstieg finden wir auch nicht immer die optimale Route, da Steigspuren häufig vom eigentlichen Weg abweichen und sich dann wieder im Gelände verlieren. Näher zum Gipfel hin wechselt das Gestein dann aber zu einem etwas sympathischeren Kalkstein und wenig später stehen wir am Gipfel. Von hier oben sehen wir den Mt. Athabasca, Mt. Andromeda, Castleguard Mtn., Mt. Kitchener und eventl. den Mt. Coloumbia in einem atemberaubenden weiten Panorama. Von oben ergibt sich auch ein bizarrer Anblick des weit verzweigten Sunwapta River, der sich in einem breiten Schotterbett neben der winzig anmutenden Straße erstreckt.

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Der Abstieg erfordert in dem Gebrösel des Mt. Wilcox dann noch mal volle Konzentration. Unten machen wir noch mal Rast auf der Hochfläche des Wilcox Pass, bevor wir zum Wilcox CG zurückkehren. Trotz viel Schutt und Gebrösel ein schöner Tag mit einem aussichtsreichen Gipfel. Alan Kane schreibt hierzu in seinem Buch Scrambles in the Canadian Rockies : "Mt. Wilcox offers possibly the best view in the entire Rockies for the energy expanded" (Mt. Wilcox bietet wahrscheinlich den besten Ausblick in den gesamten Rocky Mountains im Verhältnis zu der dafür aufgewandten Energie.). Wir können bestätigen, dass das Zitat tatsächlich zutrifft.

Die gute Stimmung an diesem Tag wird lediglich dadurch getrübt, dass ich im Abstieg meine ziemlich neue Sonnenbrille verliere und auch eine Suchaktion nicht zu deren Wiederauffindung führt. Wir müssen in Lake Louise nach Ersatz schauen, denn ich benötige die Sonnenbrille als Gletscherbrille für den Mt. Baker, wenn wir zu dessen Besteigung kommen sollten.

Höhenmeter : 980 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 8:00 h

Entfernung: ca. 12-14 km

Sonntag, 7. August 2005:

Nach dem Frühstück starten wir in Richtung Lake Louise, und am Weg erwarten uns der Peyto Lake, der Bow Lake und der Herbert Lake mit einem ersten Blick auf den Mt. Temple. Am Peyto Lake fotografieren wir sehr schönen roten, pinkfarbigen und gelben Indian Paintbrush. Auf dem kleinen Lehrpfad erfahren wir auch die korrekte Bezeichnung der im Mumm Basin fotografierten Wollfussel-Puschel-Blütenstände, bei denen es sich um den abgeblühten Blütenstand der Western Anemonis handelt.

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Kurz vor dem Erreichen von Lake Louise sehen wir plötzlich vor uns an der Straße einen großen Auto-Auflauf, dessen Grund sich als Schwarzbären-Mutter mit zwei Bärenjungen (bear cub) herausstellt. Die Bärenmutter steht mit ihren zwei Jungen vielleicht 7-10m neben der Straße oben auf der Böschung und schaut sich in aller Ruhe die Zweibeiner an. Erst als noch in unmittelbarer Nähe zu ihr ein Bus mit Japanern hält, die sofort aussteigen und beginnen die Böschung zu erklimmen, wird es der Bärenmutter zu bunt. Sie sammelt ihre Jungen ein und trollt sich in den angrenzenden Wald. Für mich als Fahrer gab es dabei wenig zu fotografieren, denn alles ging ziemlich schnell. Ehe ich unser Auto sicher am Straßenrand abgestellt und mir meine Kamera vom Rücksitz geangelt habe, ist von der Bärenmutter nur noch der dicke Hintern zu sehen. Aber einem anderen von uns ist ein Bild mit Bärenmutter und einem der Jungen gelungen.

In Lake Louis quartieren wir uns dann auf dem CG ein. Es ist ein riesiger aber gut organisierter Zeltplatz mit mindestens 5 Straßenringen, an denen die Zeltstellplätze gelegen sind. Auch ist dieser Zeltplatz so etwas wie Zoo einmal anders herum. Der Zeltplatz ist von einem elektrisch geladenen Bärenzaun umgeben, damit die Bären nicht auf das Gelände des CG vordringen können, was sie wegen der Mülltonnen und der von Campern hinterlassenen Lebensmitteln ansonsten gerne tun. Auch die Eingänge des Zeltplatzes und die Zufahrten sind mit Stahltoren und elektrisch geladenen Gitterrosten gegen die Bären gesichert. In Lake Louise gehen wir Essen, kaufen Kocherbenzin und Ersatz-Sonnenbrille.

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Im Visitor Center erfahren wir, dass für die beabsichtigte Tour auf den Mt. Temple eine Gruppe von mindestens 6 Personen gebildet werden muß, um auf sichere Weise den von Grizzlys bewohnten Waldgürtel am Morain Lake zu durchqueren (6 people group concept). Es herrscht akute Grizzly-Bären-Warnung. Im Visitor Center gibt es ein schwarzes Brett, an dem sich per angepinntem Zettel an einer Mt. temple Besteigung interessierte Wanderer zusammenfinden können. Auch erfahren wir, dass laut Wetterbericht erst am Dienstag wieder passables Wetter für eine Besteigung des Mt. Temple herrschen wird. So beschließen wir für morgen, eine Wanderung im Yoho Valley vorzuziehen, die wir erst für später eingeplant hatten. Aber das Yoho Valley ist von Lake Louise nicht weit entfernt, so dass man das auch von hier aus als Tagestour machen kann.

Unsere Erinnerung sagt uns auch, dass wir in 1997 in Lake Louise an Münzwaschautomaten Wäsche gewaschen haben. Aber unser Versuch scheitert an den nunmehr wegrationalisierten Münzwaschautomaten. Die uns angebotene Ausweichvariante im mondänen Lake Louise Inn nehmen wir dann doch nicht in Anspruch und vertagen das Wäsche waschen auf später.

Montag, 8. August 2005:

Da die Wetterprognose für Banff NP lt. Wetterbericht vom Lake Louise Visitor Center nicht so gut aussah, haben wir uns für eine "normale" Wanderung im Yoho Valley NP entschieden. Es fallen jedoch nur vormittags drei Spritzer Regen und dann wird der Tag wieder ein sonniger und schöner.

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Wir fahren von Lake Louise über den Kicking Horse Pass, vorbei an dem Historic Monument wo auf die beiden durch den Berg getriebenen Spiral Tunnel mit einigen erklärenden Tafeln hingewiesen wird. Der Kicking Horse Pass war eine der wenigen Stellen, wo eine Eisenbahnlinie über die Rocky Mountains als machbar erschien, obwohl die Steigungen für die damaligen Dampfloks ebenfalls am Limit waren. Um diese steilen Anstieg im Osten und die folgende steile Abfahrt im Westen nach mehreren schweren Eisenbahn-Unglücken zu entschärfen, wurden für die Eisenbahnlinie in die benachbarten Berge zwei 360-Grad-Spiral-Tunnel gebaut, in denen die Züge an Höhe gewinnen konnten. Heute sind die von bis zu 3 Dieselloks gezogenen Züge mitunter so lang, dass der Zug aus dem 360-Grad-Tunnel bereits wieder herauskommt, während sein Ende noch gar nicht im Tunnel verschwunden ist. Leider ist uns dieses Schauspiel mangels Zugverkehr um diese Zeit nicht vergönnt.

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Vom Kicking Horse Pass fahren wir im Westen wieder abwärts und biegen dann nach Norden ins Yoho Valley ab. Am Taleingang stellen wir das Auto beim Whisky Jack Hostel ab. Hier beginnen auch die meisten Wanderwege ins Valley. Ursprünglich haben wir über den hoch über dem Talgrund verlaufenden Iceline Trail nachgedacht, aber Jörg ist von den Twin Falls fasziniert, über die er in unserem Wanderführer gelesen hat und die im hinteren Teil des Yoho Valleys liegen. Sein Vorschlag gewinnt die Mehrheit und so setzen wir uns entlang des Talgrundes in Richtung hinteren Talschluß in Bewegung. Der Weg führt an den Takkakaw Falls (Creek: "It-Is-Magnificient") und den Laughing Falls vorbei. Nach kurzem seitlichen Aufstieg vorbei an einer Lodge erreichen wir die Twin Falls, deren Wasser in zwei dicht beieinander liegenden Wasserfällen von hoch über dem Tal herunterstürzt. Die Wasserfälle sind durchaus beeindruckend, aber ich hätte auch gern einen Blick von oben in das Tal geworfen, um einen Eindruck von den umliegenden Gletscherbergen zu bekommen.

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Der Rückweg von den Twin Falls führt uns über ausgedehnte Blockfelder aus großen Felsenquadern unter einer Felsenwand entlang. Als wir an die Kreuzung mit dem Little Yoho Valley Tral kommen, beschließen wir den Abstieg zurück ins Yoho Valley und zum Auto, da es bereits ca. 14:00 Uhr ist. Beim Weiterweg über den Iceline Trail kämen noch einmal 500 Hm im Auf- und Abstieg dazu, was für heute wohl zuviel würde, zumal wir unsere Energei für die für morgen geplante Mt. Temple Besteigung aufsparen wollen. Auf dem Rückweg präsentiert sich der Takkakaw Fall zum Nachmittag noch einmal in aller Schönheit, da nun die Sonne auch richtig im Westen steht und die Wand mit dem riesigen Wasserfall anstrahlt. Wir machen unterhalb des Wasserfalls noch einmal Rast und beobachten oben in der Wand einen Bergführer mit zwei Gästen, die sich links neben dem Wasserfall gerade über mehrere Terrassen und Stufen abseilen - mit Sicherheit eine "Once-in-a-lifetime-experience", um die die beiden zu beneiden sind.

Zurück in Lake Louise kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und besuchen noch mal das Visitor Center wegen aktuellem Wetterbericht. Dort finden wir am schwarzen Brett einen Zettel von zwei Kanadiern mit 2 Kindern, die noch eine Ergänzung für ihre 6-Mann-Party auf den Mt. Temple suchen. Laut dem Zettel logieren die 4 nicht weit von uns entfernt auf dem Lake Louise CG. Ich mache die 4 auf ihrem Zeltstellplatz ausfindig und wir sind uns auf Anhieb sympathisch. Der Junge und das Mädchen sind zwar erst 8-10 Jahre alt, was für eine 1700 Hm-Unternehmung wie den Mt. Temple gewagt erscheint, aber die 4 haben bereits in den zurückliegenden Wochen andere anspruchsvolle Touren in der Umgebung gemacht (z.B. Castle Mountain) und stehen offenbar gut im Training. Einer der Kanadier stellt sich auch als eingeheirateter Australier heraus. Wir verabreden uns also für morgen früh um 6:30 Uhr am großen Parkplatz des Morain Lake, um unsere Grizzly-Bären-Gruppen-Quote von mindestens 6 Personen einhalten zu können. Oberhalb der kritischen Baumgrenze wollen wir dann jede der beiden Gruppen für sich den Aufstieg auf den Mt. Temple wagen.

Höhenmeter : 535 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 6:45 h

Entfernung: ca. 18 km

Dienstag, 9. August 2005:

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Die Verabredung mit den beiden jungen Kanadiern (lassen wir es der Einfachheit mal dabei, auch wenn der eine eigentlich Australier ist) und ihren beiden Kindern funktioniert. Wir stehen um 4:30 Uhr in absoluter Dunkelheit auf und frühstücken im Schein unserer Stirnlampen, bemüht von den Zeltplatznachbarn niemanden zu wecken. Die Rucksäcke waren schon am Abend vorher gepackt worden. Dann fahren wir zum Morain Lake hinauf, kommen dort gegen 6:15 Uhr in der Dämmerung an und stellen das Auto auf dem großen Parkplatz am Ablauf des Sees ab. Von unseren Wandererfreunden ist zunächst noch nichts zu sehen und wir gehen erstmal hinunter zum See. Kaum ein Mensch ist um diese Zeit hier oben. Aber nach wenigen Minuten so gegen 6:30 Uhr kommen wie verabredet auch die 4 Kanadier und so sind wir vollzählig und der Aufstieg kann beginnen.

(see subtitle)

Der Aufstieg durch den Wald am Seeufer geht in Serpentinen zügig vonstatten. So sind wir bereits nach 1,25h durch den Lärchenwald hindurch (ohne auch nur einen Bärenschwanz gesehen zu haben) und nach insgesamt 600 Hm kommen wir am ersten See unterhalb des Sentinel Pass an. Weiter gehts zum zweiten See, wo wir eine kurze Rast machen. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und die umliegenden Berge und der Eiffel Peak spiegeln sich wunderbar im See. Über Zick-Zacks geht es hinauf zum Sentinel Pass, der wegen einer dünnen Felsennadel seinen Namen bekommen hat. Auf der anderen Seite eröffnet sich ein beeindruckender Blick ins Paradise Valley mit seinen Gletscherseen. Aber oben im Pass ist es ziemlich kalt und windig, so dass wir uns hier nicht weiter aufhalten und zügig den weiteren Aufstieg angehen. Von hier an ändert der deutlich seinen Charakter. War es bis in den Pass ein recht geordneter und klar erkennbarer Wanderweg, so ist der Weiterweg nicht mehr markiert, man ist bzgl. der Orientierung im Schotter und steiler werdenden Fels auf sich allein gestellt und kann sich nur an sporadischen Steinmännchen (Cairns) orientieren, die aber auch in die Irre weisen können.

Bis hier war das Wetter soweit freundlich, wenn auch bei Weitem nicht wolkenlos. Vom Gipfel des Mt. Temple löst sich eine Wolkenfahne ab, die gegen die aufgehende Sonne recht dunkel und wenig Gutes Verheißendes aussieht. Ringsum quellen große Haufenwolken empor und in den Alpen würde man unter diesen Umständen für den zeitigen Nachmittag Gewitter erwarten. Keine gute Vorstellung an einem derart hohen Berg wie dem Mt. Temple.

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Die Kanadier mit ihren beiden Kindern steigen zügig und unbeirrt voran. Wir folgen den Steigspuren und den wenigen Cairns, doch die Spuren im Schotter der Schuttreissen "zerfasern" und sind schwer zu verfolgen. Im Prinzip folgen wir der Wegbeschreibung aus Alan Kanes Buch und den vorgefundenen Spuren, kommen aber im Gefolge der Kanadier unterhalb des schwarzen Felsenbandes zu weit nach rechts ab. In der Folge finden wir uns schnell in diffizilem steilem und schottrigem Gelände wieder. Da hier offenbar selten jemand geht, liegt überall sehr loser Schotter, der sich bei leisester Berührung in Bewegung setzt. Von Schotter hat es an diesem Berg offenbar sowieso recht viel. Wir haben die 4 Kanadier wieder eingeholt, die offenbar auch an der Wegführung zweifeln, wir konsultieren noch mal den Führer von Alan Kane und erkennen schnell unseren Fehler. Der Durchstieg durch eine Rinne durch die weiter oben liegenden steilen Felsbänder befindet sich gut 150m weiter auf der linken Seite der Bergflanke. Wir steigen wieder 45m ab und queren auf einer erkennbaren Spur auf einem Felsenband hinüber, zurück in die Originalroute. Oben auf dem gelben Band können wir von hier nun einen Steinmann (Cairn) ausmachen, d.h. wir sind a) wieder richtig "on trail" und waren b) nicht die Ersten, die sich hier vertan haben. In Schotter und gestuftem Fels gehts nun weiter bis zur Schlüsselstelle im grauen Band - einer UIAA II-er Kletterstelle, die wir nach kurzer Inaugenscheinnahme und Diskussion ohne Hilfsmittel durchsteigen.

(see subtitle)

Sorgen macht uns und den Kanadiern das Wetter. Gegen 11:00 Uhr hatte sich ein deutlicher horizontaler Wolkenhorizont mit starker Quellwolkenbildung darüber ausgebildet, so dass wir Sorge wegen Wetterverschlechterung oder sogar Gewitter hatten. Aber als wir die Schlüsselstelle durchstiegen haben und das gelbe Felsenband hinter uns haben (etwas festerer und griffigerer Felsen), hebt sich auch die Wolkenuntergrenze auf annähernd 4000m und die Sicht wird frei. Die Haufenwolken werden deutlich kleiner und weniger Besorgnis erregend.

Wegen dem Gelände mit steileren Felsenpassagen und steilen Schotterfeldern kommen wir recht langsam voran und setzen uns eine Umkehrzeit von 14:00 Uhr. Ca. gegen 12:30 Uhr haben wir noch ca. 350 Hm laut Höhenmesser zu steigen.Ca. 150 Hm unter dem Gipfel stoßen wir auf den ersten hart gefrorenen Firn auf einem 45 Grad steilen Schotterhang mit vereinzelten Trittspuren. Der Firn ist so hart gefroren, dass wir mit unseren Bergschuhen keine Trittspuren verursachen können. Aber wir haben Steigeisen und Eispickel dabei, die jetzt zum Einsatz kommen. Zu unserer Verwunderung sind aber noch 5 andere Kanadier vor uns in Turnschuhen und ohne Steigeisen unterwegs, was ich in diesem steilen Gelände für ein Wagnis halten würde. Auf den letzten 200 Hm zum Gipfel sage ich Kerstin immer die Zeit und die verbleibenden Höhenmeter an, um ihr eine Orientierung zu geben. Das diffizile Gelände hatte bei ihr zu einer ziemlich geringen Steiggeschwindigkeit geführt, die den gesetzten Zeitplan in Frage stellte.

(see subtitle)

Aber nach einer letzten leicht ausgesetzten Passage entlang des Gipfelgrates stehen wir dann alle zusammen gegen 13:30 Uhr auf dem Gipfel des Mt. Temple (3543m). Ein kanadischer Bergführer (see subtitle) polnischer Abstammung macht freundlicher Weise von uns Gipfelbilder bevor er sich mit seinen 3 jungen weiblichen Gästen zum Abstieg wendet. Am Gipfel haben wir dann sehr gute Rundumsicht. Die Wolkengrenze hat sich weiter gehoben und ist deutlich über uns, alle anderen Gipfel in der Nachbarschaft deutlich unter uns. Der Mt. Temple mit seinen 3543m ist schließlich der 11.-höchste Berg in den Rocky Mountains und der dritthöchste Berg in Banff NP. Im Süden sieht man die Felspyramide des Mt. Assiniboine und im Norden den Bow Lake. Die Fernsicht ist unterhalb der Wolkendecke phantastisch bei geschätzten 100km. Von oben ergibt sich auch eine beeindruckende "Draufsicht" auf den Morain Lake, an dem wir heute morgen losgegangen sind. Seine einmalige grün-türkise Farbe kommt so ganz besonders zur Geltung.

(see subtitle)

Wir trinken, essen und fotografieren. Dann machen wir uns gegen ca. 14:00 Uhr an den langen Abstieg von über 1700 Hm. Das steile Firnfeld bereitet Kerstin wieder einige Schwierigkeiten, aber hier geht Sicherheit vor Schnelligkeit. Die anderen drei müssen am Übergang zum Schotter längere Zeit auf uns warten. Dann gehts vorsichtig aber zügig über Schotterpfade und kleinere Felsstufen mit einfacher Kraxelei hinunter zur Schlüsselstelle am Durchstieg durch das graue Felsband. Frank als unser versiertester Felsenkletterer steigt hier vor und legt mit 3 Bandschlingen zusätzliche Versicherungen und Griffmöglichkeiten. Damit gelingt der Abstieg auch hier für alle 5 problemlos und sicher. Weiter folgen wir von hier nicht dem Aufstiegsweg über den Sentinel Passsondern dem Weg, den der Bergführer mit seinen 3 Mädels eingeschlagen hat. Dieser Weg führt fast in direkter Falllinie über drei miteinander verbundene und deutlich erkennbare Schuttreissen direkt zu dem zweiten der beiden Minnestimma Lakes unterhalb des Sentinel Pass abwärts. So gestaltet sich der weitere (see subtitle) Abstieg schnell, gelenkschonend und staubig und ist ein Materialtest für unsere Bergschuhe. Völlig verstaubt und mit stark beanspruchten Füßen erreichen wir gegen 16:30 Uhr den See, wo uns unsere 2 Kanadier mit den beiden Kindern schon rastender Weise für den Rückweg durch den Wald (Grizzly-Bären-Zone) bereits seit ca. 15 Minuten erwarten. Wir machen alle zusammen noch eine halbe Stunde Pause, erfrischen uns am See und steigen dann gemeinsam die verbleibenden 650 Hm über nicht enden wollende Serpentinen durch den Lärchenwald zum Morain Lake ab. Die beiden Kinder sind dabei nicht tot zu kriegen. Sie scherzen, lachen, unterhalten sich und erzählen sich Episoden aus Trickfilmen, ja suchen sogar abseits des Weges nach Pilzen, während wir Erwachsenen auf den letzten Metern fast auseinander brechen und schmerzende Füße und Beine (see subtitle) haben. Nach 11,25h Wanderung sind wir dann wieder am Ausgangspunkt und an den Autos angekommen und verabschieden uns herzlich von unseren Begleitern für diesen aufregenden Bergtag.

Auf dem CG in Lake Louise wird dann zuerst geduscht, gegessen, Rotwein und Bier auf unseren Gipfelsieg getrunken und die kleinen Blessuren versorgt. Wieder einmal ist uns mit und durch unsere Freunde ein beeindruckendes Bergabenteuer gelungen, auch wenn der Mt. Temple wegen seines vielen Schotters nicht unser aller Lieblingsberg werden wird. Aber ein beeindruckender Gipfel ist er doch.

Am Abend zeigt sich der Mt. Temple dann noch einmal vom CG aus von seiner besten Seite und wird von der untergehenden Sonne herrlich angestrahlt. Mit dem Teleobjektiv gelingen auch aus dieser Perspektive noch einmal schöne Erinnerungsfotos von seiner stärker vergletscherten und steileren Nordflanke.

Höhenmeter : 1735 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 11:15 h

Entfernung: ca. 12-15 km (schwer zu schätzen)

Mittwoch, 10. August 2005:

(see subtitle)

Heute scheint uns unser bisheriges Wetterglück zu verlassen, denn von früh an herrscht dichte und niedrig hängende Bewölkung. Angesichts der großen Tour am gestrigen Tag war für heute aber sowieso nur kleines Programm vorgesehen. So starten wir zur Bewältigung des verbleibenden "Pflichtprogramms" am Lake Louise. Wir fahren hinauf zum See und machen den Trail entlang des Seeufers zum Teehaus (2099m) auf der Randmoräne des Victoria Gletschers. Das Panorama hier oben ist bei schönem Wetter mit Sicherheit auch sehr beeindruckend, aber leider machen uns heute die Wolken ein wenig einen Strich durch die Rechung. Auch der Lake Louise mit dem Chateau Lake Louise sieht ohne Sonne nur halb so beeindruckend aus. Da hatten wir bei unserem Besuch in 1997 mehr Glück, aber man kann nicht immer alles haben.

(see subtitle)

Auf dem Rückweg vom Teehaus gelingt es uns, in den Steinhalden am Weg einen Pica (Steinhasen) zu fotografieren, was bei diesen kleinen und wieselflinken Tieren nicht einfach ist. Wir bummeln noch mal kurz durch die Empfangshallen des Chateau Lake Louise und fahren dann weiter zum Morain Lake. Aber schon auf dem Weg dorthin beginnt es zu regnen und der bei Sonne so schöne See zeigt sich heute wolkenverhangen und in einem stumpfen graugrün. Auf der Rückfahrt ins Dorf Lake Louise kippt das Wetter vollständig und es beginnt ein Landregen (see subtitle) mit kleineren eingelagerten Gewittern. Wir kaufen noch einmal frische Lebensmittel ein und beschließen wegen der Wettersituation heute einmal nicht selber zu kochen. Stattdessen gibt es Steak im Restaurant in Lake Louise.

Wieder auf dem Zeltplatz angekommen hört der Regen überraschend auf und der Himmel klart auf. Kerstin kommt vom Wachraum zurück gerannt, da der Mt. Temple wider Erwarten in herrlichster Abendsonne und überzuckert mit leichtem Neuschnee erstrahlt. Wir springen in eines der Autos und fahren schnell zur Brücke über den Fluss, von wo man den schönsten freien Blick auf den Berg hat. Es gelingen uns sehr schöne Bilder vom Mt. Temple im letzten Tageslicht. Ein schöner Abschied von unserem Berg, denn wir haben mit Lake Louise den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab morgen beginnt also quasi unsere Rückreise Richtung Westküste und nach Vancouver.

Höhenmeter : 360 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 4:30 h

Entfernung: ca. 11 km

Donnerstag, 11. August 2005:

Die Nacht war wegen der ganzen Regenfeuchtigkeit vom Vortag recht kühl und auch früh treiben noch Wolken über den Zeltplatz in Lake Louise. Wir räumen nach dem Frühstück zusammen und machen uns auf den Weg, der uns zunächst wieder über den Kicking Horse Pass nach Yoho NP führt. Kaum haben wir den Pass überquert, haben wir auch das regnerische Wetter von Lake Louise hinter uns gelassen und die Sonne zeigt sich. So entschließen wir (see subtitle) uns, den Abstecher zum Emerald Lake und zur "Natural Bridge" im Yoho NP doch noch zu machen. Am Emerald Lake angekommen liegen auf der Seeoberfläche zunächst noch Nebelschwaden, die sich aber recht schnell innerhalb einer halben Stunde auflösen und da es nahezu windstill ist ein sehr schönes Spiegelbild der umliegenden Berge mit einigen kleinen mystischen Wolkenfetzen freigeben. Die "Natural Bridge" beeindruckt uns dagegen nicht so sonderlich.

Auf der Weiterfahrt auf dem Trans-Canada Highway sehen wir dann plötzlich auf der anderen Seite des parallel zur Straße verlaufenden Flusses einen großen Schwarzbären auf den Eisenbahngleisen entlanglaufen, der an den Beerenbüschen an der Bahn die Buffalo-Berries (Büffelbeeren) frühstückt. Die Situation ist günstig, denn erstens bietet unsere (see subtitle) Straßenseite gute Abstellmöglichkeit für die Autos und zweitens fühlt sich der Bär durch den trennenden Fluss zwischen ihm und uns auf der sicheren Seite und lässt sich so überhaupt nicht stören. Wir haben so viel Zeit, in aller Ruhe mit dem Teleobjektiv ein paar Bilder von dem "Eisenbahnbär" zu machen. Erst nach über einer viertel Stunde sind dem Bär die Beeren ausgegangen und er trollt sich langsam entlang der Gleise. Hoffentlich ist er schneller, wenn ein Zug kommt.

Die Weiterfahrt führt uns durch den Glacier NP und über den Rogers Pass. Zumindest aus der Autoperspektive macht dieser Nationalpark aber seinem Namen nicht sehr viel Ehre. Oben am Rogers Pass ein recht sehenswertes kleines Museum über die Geschichte des Parks und der Eisenbahnstrecke. Später kommen wir durch die Kleinstadt Revelstoke, wo wir gut zu Mittag essen. Dann beginnt sich die Landschaft steppenhaft zu verändern - es wird deutlich trockener und von der Landschaft her karger. Die Umgebung des Okanagan Lake ist ein für Kanada bedeutendes Weinanbaugebiet, dessen Rotweine es durchaus mit denen aus Kalifornien aufnehmen können - wie wir in aufopferungsreichem Selbstversuch haben feststellen können. Leider werden sie aber wegen der nur geringen Anbaumengen nicht nach außerhalb von Kanada exportiert. Nach 400km Fahrt kurz hinter Kelowna in der Nähe des Okanagan Lake kommen wir gegen 16:00 Uhr auf einen ziemlich dreckigen und staubigen CG, der aber den für uns nun wichtigen Vorteil einer Waschmaschine und eines Trockners besitzt.

Freitag, 12. August 2005:

Wir fahren früh von unserem CG los, suchen aber kurze Zeit später noch einmal nach einem schönen Rastplatz, wo wir noch vor der USA-Grenze unsere restlichen Äpfel und Pflaumen aufessen können, da die Einfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach den USA nicht gestattet ist. Der angesteuerte Rastplatz am Okanagan Lake entpuppt sich dann als vorbildlich gepflegter Park mit Badestrand, der um diese frühe Stunde so gut wie leer ist. Dies verleitet uns spontan zum Baden im gut erwärmten Okanagan Lake. Dann essen wir weitgehend alles Grünzeug auf und starten in Richtung amerikanische Grenze.

Die Grenzüberquerung ist eine Erfahrung der besonderen Art. Ich kann mich irgendwie nur schwer daran gewöhnen, dass man bei einer Grenzüberquerung im Auto von mir erwartet, dass ich im Auto sitzen bleibe, die Hände auf dem Lenkrad behalte und höflich Fragen beantworte, wie die ob ich ein Terrorist bin. In der Zwischenzeit stöbern 2 Grenzbeamte ohne uns in unserem Kofferraum herum während 6 Kameras von allen Seiten auf unser Auto gerichtet sind. Anschließend werden wir in eine große Halle gebeten, wo wir die Einreiseformalitäten erledigen dürfen. Von Fingerabdruckscannern wie auf amerikanischen Flughäfen ist hier noch nichts zu sehen. Nach einer halben Stunde und der Buchstabierung unserer Namen haben wir alle die grüne Einreisekarte in unseren Pässen und dürfen weiterfahren.

Auf der Weiterfahrt halten wir erst einmal gleich an einem der schönen Obststände und decken uns erneut ein - nun dürfen wir ja wieder Obst dabei haben. Dann gehts weiter nach Tonasket. Dies ist fast eine "Gedächtnisstätte" für uns, denn 1997 sind wir schon mal hier durch gekommen und haben hier in einer Pizzeria riesige Pizzas verdrückt. Die Pizzeria gibt es immer noch, auch wenn sie in der Zwischenzeit mal den Besitzer gewechselt hat. Unser opulentes Mittagessen schmeckt uns aber auch dieses Mal. Weiter gehts über Omuk, wo ich die letzten beiden Dia-Filme in einem Drug Store erstehe (sie hätte wirklich schon länger niemand mehr nachgefragt; wahrscheinlich ist der Händler froh, dass er sie nun endlich los ist), und Winthrop. Winthrop ist eine neuzeitlich errichtete Pseudo-Westernstadt mit einem Haufen Souvenirläden und kleinen Saloons, die aber trotzdem recht hübsch ist. Nun ist es schon ziemlich spät geworden, so dass wir heute nicht mehr bis in den Northern Cascade NP kommen. Wir fahren noch ein paar Meilen auf dem Hw 20 über Winthrop hinaus und nehmen einen der letzten Zeltplätze, Lone Fire CG, auf der Ostseite der Northern Cascades.

Samstag, 13. August 2005:

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Im Morgenlicht überqueren wir den Pass im Northern Cascade NP, was auch den Vorteil hat, dass mit Sonnenlicht von Osten die Steilwand des Liberty Bell genannten Felsens wunderschön angestrahlt wird. Mit dem Fernglas beobachten wir Felskletterer beim Einstieg in ihre Touren. Ansonsten bietet die Durchfahrt durch den Northern Cascade NP auch dieses Mal nicht viel Besonderes. Man müsste sich mehr Zeit zum Wandern nehmen, um fernab der Strasse in diesem NP auf Entdeckung gehen zu können. Unser nächstes Ziel liegt aber bereits wieder außerhalb des Nationalparks - der Mt. Baker.

In Marblemount besuchen wir die Ranger Station und bekommen hier eigentlich alle notwendigen Informationen:

  1. Das Wetter in dieser Gegend soll für die kommenden Tage stabil und super gut werden.
  2. Der Mt. Baker befindet sich außerhalb aller Nationalparks und man benötigt daher für seine Besteigung kein Permit.
  3. Lediglich ein kostenpflichtiges aber preiswertes Parkplatz-Permit der Forstverwaltung des Mt. Baker-Soquamish National Forests ist für den Trailhead Parkplatz unterhalb des Mt. Baker erforderlich, wo unsere Autos für 2 Tage stehen bleiben werden.
  4. "Toiletten" sind angeblich in der Nähe des High Camp vorhanden (wir werden später feststellen, dass deren Zustand eher katastrophal und wenig hygienisch ist). Ansonsten gilt auch hier die "Blue bag procedure", nach der der geneigte Mt. Baker-Besteiger seinen "human waste" in diese stabilen Plastebeutel verpacken darf. Aus ästhetischen Gründen wird der Plastebeutel dann im verschlossenen Zustand noch mal in eine Papiertüte verpackt und diese darf man dann in speziell bereitgestellten Mülltonnen am Trailhead-Parkplatz entsorgen. Na ja, einzusehen ist diese Prozedur irgendwie, wenn die Anzahl der Gipfel-Aspiranten gewisse kritische Zahlen überschreitet.
  5. Wasser ist aus Schmelzbächen und Pools in der Nähe der High Camps vorhanden. Abkochen oder desinfizieren versteht sich von selbst.
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Da wir nun alles Wichtige wissen, können wir nun für die nächsten 2 Tage die Besteigung des Mt. Baker ernsthaft angehen. Allerdings brauchen wir dazu für heute noch eine Talübernachtung, bevor wir morgen dann zum High Camp an der Railroad Grade genannten Randmoraine am Mt. Baker aufsteigen. Bevor wir zu einem CG am Baker Lake aufbrechen, beschließen wir noch in Concrete Mittag zu essen. Dabei werden wir unfreiwillige Testpersonen einer Restaurant-Neueröffnung. Es schmeckt aber leidlich gut und wir überleben das Experiment bei guter Gesundheit. Der Ort Concrete (Beton oder Zement) hat seinen Namen übrigens davon, dass hier die ehemals größte Portland-Zement-Fabrik der amerikanischen Westküste stand, von der aber nicht mehr viel übrig ist.

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Dann gehts über eine kleine aber noch asphaltierte Forststrasse zum Baker Lake. Wegen des Wochenendes haben wir aber bei zwei Zeltplätzen zunächst kein Glück - es ist hier am See ziemlich voll auf den Campgrounds. Erst auf dem dritten CG kommen wir unter. Dieser bietet eine fast Märchenwald-artige Stimmung, denn er ist sehr grün, die Bäume mit viel Moos und grünen Flechten bewachsen. Gegen Abend kommen auch die Mücken auf Besuch. Doch vorher haben wir noch Gelegenheit zu einem weiteren unvorhergesehenen Bad im Baker Lake mit der Kulisse des imposanten Mt. Shuksan im Hintergrund. Die Wassertemperatur des Baker Lake ist sogar recht angenehm, nur mit den unter der Wasseroberfläche verborgenen Baumstümpfen (es ist ja ein Stausee) muss man sich vorsehen. Der Rest des Tages vergeht mit Ausrüstung sortieren, Rucksack packen, baden, sonnen, Essen kochen und lesen.

Sonntag, 14. August 2005:

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Wir bauen früh in Ruhe unser Lager ab. Insbesondere die Zelte wollen wir nach Möglichkeit trocken einpacken, denn sonst müssten wir ja das Wasser mit den Berg hoch tragen. Aber in der sommerlich warmen Luft sind die Zelte schnell trocken. Dann machen wir uns motiviert bis in die Zehenspitzen auf den Weg zum Trailhead, der sich am Ende der Schotter-Forststrasse 13 befindet (Schreiber Meadows Trailhead auf 1050m Höhe). Während die Strasse am Baker Lake noch asphaltiert war, ist die Strasse hier hoch ab dem Abzweig der Forststrasse 12 eine staubige Schotterpiste. Trotz eines nochmaligen Abzweigs unterwegs haben wir den Trailhead recht gut gefunden, da die Strasse im Großen und Ganzen recht gut ausgeschildert ist. Die gute Karte aus der Ranger Station tut ihr Übriges dazu. Die Autos sind aber vor Staub schon nach den wenigen Kilometern kaum noch wieder zu erkennen.

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Oben angekommen laden wir unsere schweren Rucksäcke aus und beginnen um ca. 10:00 Uhr unseren Aufstieg. Dieses Mal haben wir in den Rucksäcken nicht nur Zelte, Schlafsäcke, Kocher und Lebensmittel dabei, sondern außerdem noch Eispickel, Steigeisen, Klettergurte, Eisschrauben, Karabiner und ein Seil, denn die Besteigung des Mt. Baker ist eine ausgewachsene Gletschertour. Unterwegs während des Aufstieges durch den Zedernwald haben wir bereits mehrfach schöne Ausblicke auf "unseren" Berg, auch wenn uns die reichlich wachsenden Blaubeeren ablenken. Blaubeeren-Pflücken mit schwerem Rucksack ist aber eine Kraftübung der besonderen Art, so dass wir das dann auch bald bleiben lassen. Zweimal machen wir unterwegs an schönen Stellen Rast, einmal davon am Baker Pass CG mit Ausblick auf den Weiterweg über die Railroad Grade bis zum High Camp. Diese gleichmäßig ansteigende westliche Seitenmoräne des Easton Glaciers hat ihren Namen offenbar von der über mehrere Kilometer gleichmäßig andauernden Steigung, mit der sie zum Gletscherrand hinauf zieht. Wir ersteigen die Railroad Grade ein gutes Stück über das nominelle High Camp hinaus und beschließen schließlich, unser Hochlager auf 1810m an einem trocken gefallenen Schmelzwasser-Pool oder -See aufzuschlagen. Sauberes Trinkwasser finden wir in geringer Entfernung in einem weiteren Pool vor und Vorgänger haben auf der recht ebenen Fläche bereits Stellflächen für Zelte von Steinen gesäubert, so dass die Zelte hier recht eben stehen können und einen kleinen Steinwall gegen den Wind haben. Jörg, Frank und Regina unternehmen noch einen Erkundungsgang nach oben bis zum Gletscherrand am Ende der Seitenmoräne, um für den ersten Teil unseres morgigen nächtlichen Aufstiegs den Weg in etwa zu kennen.

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Da wir zügig aufgestiegen sind, bleibt am Nachmittag noch Zeit fürs Beobachten und Fotografieren, das Umpacken der Rucksäcke und eine Tea Time auf einem improvisierten Steintisch. Es wird auch noch einmal ein Trockentraining in der Technik der Spaltenbergung angesetzt, denn der Mensch ist leider nur zu vergesslich bei Dingen, die er längere Zeit nicht gemacht hat. Wir bauen also auf dem Trockenen einen AV-Flaschenzug und einen Schweizer Flaschenzug mit Garda-Klemme auf. Nach dieser Auffrischung bringen wir die Technik wieder recht gut.

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Mit dem Fernglas können wir am Nachmittag mehrere Seilschaften im Abstieg ausmachen und versuchen uns deren Weg einzuprägen. Ein Bergführer erzählt uns, dass heute am Sonntag ca. 50 Bergsteiger auf dem Gipfel waren, deren Spuren auf dem Eis auch morgen noch gut zu sehen sein dürften. Wir haben eine 11-er, eine 12-er und mehrere kleinere Seilschaft beobachtet. Hauptsächlich sind es Bergführer, deren Kundschaft hauptsächlich aus Seattle kommt. Spät abends so gegen 18:00 Uhr kommt noch ein Bergführer mit 2 Gästen an unserem Lager vorbei, von denen der Ältere schon jetzt konditionell nicht mehr besonders gut aussieht. Auch diese 3 wollen heute noch bis zum Trailhead bei Schreiber Meadows absteigen, den sie aber sicherlich erst in der Dunkelheit erreicht haben dürften.

Gegen Abend kochen wir bei aufkommendem Wind unsere Trekking-Mahlzeiten und Tee. Nachdem eine andere Mannschaft im Abstieg ihre zwei Zelte in der Nachbarschaft abgebaut hat und abgestiegen ist, sind wir an diesem Abend die einzigen Camper hier oben im High Camp. Gegen 21:00 Uhr legen wir uns bereits schlafen, denn der Wecker wird morgen schon um 2:00 Uhr nachts klingeln.

Höhenmeter : 770 Hm im Aufstieg und 15 Hm Abstieg

Gehzeit : 4:00 h

Entfernung: ca. 10 km

Montag, 15. August 2005:

Die Nacht ist kurz, denn pünktlich um 2:00 Uhr piept meine Avocet-Höhenmesseruhr. Es ist nachts recht warm geblieben, was für den Aufstieg nicht unbedingt gut ist, da der Schnee und Firn dann eventl. immer noch angetaut und nicht hart gefroren ist. Als wir aufstehen, erstreckt sich über uns ein unglaublich dicht mit Sternen bedeckter Sternenhimmel, wie man ihn in der Nähe von Großstädten nie zu Gesicht bekommt. Nur fern im Westen in Richtung der Pazifik-Küste erstreckt sich ein Streifen Schicht- oder Schleierbewölkung. Am Horizont können wir den Lichtschein von Seattle und Vancouver ausmachen (der Physiker nennt das Umkehrbarkeit des Lichtweges: wenn wir vom Harbour Center Tower den Mt. Baker sehen können, dann geht das auch umgedreht). Wir frühstücken im Dunkeln und im Stehen, denn zum Hinsetzen ist es dann doch zu kalt.

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Um 3:00 Uhr beginnen wir unseren Aufstieg auf den Mt. Baker, die zunächst noch entlang des von Frank, Jörg und Regina erkundeten Weges verläuft. Wir halten uns an Steigspuren und so etwas wie einen Pfad, der am rechten Rand der Railroad Grade weiter aufwärts führt. Frank orientiert sich dabei direkt am Kamm der Randmoräne, der zum Teil recht bröselig ist und auf der Gletscherseite ca. 150m tief und steil abfällt. Nach ca. einer halben Stunde kommen wir in steileres und weniger gut gangbares Gelände und in der Dunkelheit ist der fällige Übergang auf den Gletscher nicht klar auszumachen. Zu der Zeit beobachten wir unter uns zu unserer linken Seite einen von einem Bergführer geführten Trupp von 5 Bergsteigern, der sich mit Stirnlampen bereit macht und dann schnell an Höhe gewinnt. Dort gelangt man offenbar über eine Serie von Felskuppen und Firnfeldern leichter zum Gletscherrand und auf den Gletscher hinauf. Aber wir können nicht zu ihnen hinüberqueren, da die Felsflanke zu unserer Linken dafür jetzt zu steil abfällt und ein Weg nicht erkennbar ist. So steigen wir die Railroad Grade Seitenmoräne bis zu ihrem Ende am Gletscherrand aus und erreichen nach 1,5h den Eisrand des Gletschers. Halb im Gletscherschlamm stehend legen wir hier unsere Klettergurte und die Steigeisen an und betreten den arperen und hier stark zerklüfteten, spaltenreichen Gletscher. Auf dem Eis holen wir auch das Seil heraus und seilen uns in 5-er-Seilschaft an.

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Es ist immer noch dunkel und ohne eine Spur würde es jetzt in dem Spaltengewirr des Gletschers recht schwierig mit der Orientierung werden, was uns auch viel Zeit kosten könnte. Aber ich halte mich nun nach links und quere in die Spur der anderen Gruppe hinüber. Zum Glück entdecke ich kurze Zeit später deren frische Steigeisenspuren auf dem Eis, denen wir ab jetzt folgen können. Wenig später erreicht diese Spur die von gestern vorhandene breite Abstiegsspur. Von nun an gibt es keinen Zweifel an der richtigen Route mehr und wir kommen zügiger voran, zumal hier auch das apere und sehr spaltenreiche Stück des Gletschers überwunden ist. Von nun an macht die Route Höhe auf fast spaltenfreien steilen Firnhängen, dann wieder schlängelt sich die Route elegant um große Spalten und Gletscherbrüche herum. Trotz der herrschenden Dämmerung ist das Vorankommen mit unseren Stirnlampen nun kein Problem mehr.

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Irgendwann ist dann Sonnenaufgang und da wir uns am Südaufstieg auf den Berg befinden, wird es auch gleich hell. Wir können eine unglaubliche Fernsicht bewundern und sehen am Horizont mehrere weitere Vulkangipfel, von denen wir den Mt. Rainier und den Glacier Peak ausmachen können. Gegen 8:00 Uhr erreichen wir den südlichen Kraterrandeinschnitt des noch aktiven Mt. Baker, der hier eisfrei ist und aus gelblichem Lavagestein besteht. Links vom Krater geht es nun über das steilste Firnfeld der ganzen Tour empor, bis man oben auf eine kurze Felspassage trifft, deren Durchsteigung uns auf das riesige (see subtitle) flache Gipfelplateau des Mt. Baker führt. Gerade jetzt starten 3 der 5 Bergsteiger der Gruppe vor uns mit Gleitschirmen. Der Bergführer mit einem deutschen Client steigt zu Fuß ab, macht aber vorher noch Gipfelbilder von uns. Um 9:30 Uhr stehen wir dann am Gipfel des Mt. Baker (3285m). Frank und ich gehen dann noch die Strecke über das flache Gipfelplateau bis zum eigentlichen kleinen Felsengipfel vor und finden dort eine gusseiserne Kassette von 1936 vor, die alle möglichen Artefakte enthält. Das Gipfelbuch ist allerdings recht verwittert, wenn es denn jemals ein solches gegeben hat. Auf einer Seite machen wir trotzdem unsere Eintragung des DAV Chemnitz - deutsche Ordnung muss sein. Von hier oben gelingen mir auch (see subtitle) noch 2 schöne Bilder von dem tiefen Einblick in den Vulkankrater, der sich von hier oben bietet. Deutlich kann man den entweichenden Dampf und die seitlichen gelben Schwefelrauchablagerungen erkennen. Erst zu Hause beim Betrachten der Dias fällt uns auf, dass just in diesem Moment der Bergführer mit dem Deutschen aus Seattle gerade unten in der Scharte des Kraterrandes steht und ebenfalls hineinschaut. Die Beiden ermöglichen einen interessanten Größenvergleich auf den Bildern.

Um ca. 10:20 Uhr beginnen wir nach ausgiebiger Rast, Essen und Fotografieren unseren Abstieg. Der Firn auf dem Gipfelplateau und in der steilen zum Kraterrand hinabführenden Firnflanke ist noch fest, so dass wir hier noch zügig vorankommen. Unterwegs treffen wir weitere (see subtitle) Bergsteigergruppen, die noch im Aufstieg sind, und können uns auch die Zeit zum Fotografieren (das Bergpanorama ringsum, Spalten und Gletscherbrüche) nehmen, da wir früh dran sind. Weiter unten ist der Firn dann schon mehr und mehr durch die Tagessonne aufgeweicht, so dass wir an den Spaltenrändern besondere Vorsicht walten lassen. Eine der Schneebrücken sieht dann auch sehr fragil aus, hält uns aber alle 5 noch aus. Wieder in dem aperen und spaltenreichen Teil des Gletschers angekommen, müssen wir noch mal lavieren und immer wieder Spaltensysteme umgehen oder durchklettern, was aber bei Tageslicht deutlich einfacher geht als heute morgen bei Dunkelheit. Am unmittelbaren Gletscherrand gibt es noch mal eine ca. 100m lange vereiste steile Firnflanke. Dann haben wir wieder im roten Lavagestein den Felsenrand erreicht. Wir entledigen uns unserer Eisausrüstung und steigen die restlichen 350 Hm zu unseren Zelten im Felsen ab. Gegen 14:45 Uhr sind wir wieder in unserem Hochlager.

Wegen der Höhe, der trockenen Luft und dem Flüssigkeitsverlust beim Aufstieg sind wir alle sehr durstig. Keiner hatte mehr etwas zu trinken in seinen Trinkflaschen. Wir machen also zuerst Trinkwasser (Desinfektion mit einem schnell wirkenden Jod-haltigen Präparat), kochen Tee, essen etwas und ruhen ein wenig (see subtitle) in unseren Schlafsäcken. Frank macht uns zur Feier des Tages in unserem großen Topf eine Sonderportion Vanillepudding mit Heidelbeeren (gibts als Trekkingnahrung und schmeckt super). Das Ganze wird fein säuberlich gefünftelt und motiviert uns für den Abstieg. Dann packen wir die Zelte und alles andere zusammen und beginnen unseren langen Abstieg zum Trailhead bei Schreiber Meadows so gegen 16:00 Uhr. Mit nur einer Pause erreichen wir nach nur 2,5h auf staubigen Pfaden wieder unsere Autos auf dem Trailhead Parkplatz. Es ist früher Abend und noch ziemlich hell. Und so fahren wir die Schotterstrasse hinunter, weiter nach Concrete und Sedro Wooley. Nach dem langen Tag und langen, staubigen Abstieg wollen wir eigentlich nur noch einen Campground, der auch über eine Dusche verfügt. Doch erst nach zweimaliger Erkundigung an Tankstellen und bei Passanten finden wir gegen 20:10 Uhr einen schönen KOA Campground (KOA - Kampgrounds of America) in Burlington am alten Hw 99. Wir duschen, machen uns wieder Zivilisations-tauglich und kochen Essen. Mit einem guten kanadischen Rotwein stoßen wir auf unseren schönen Vulkangipfel an, der uns allen sehr gut gefallen hat. Das "Dekontaminieren" und Entstauben unserer Ausrüstung verschieben wir auf morgen früh.

Gipfel:

Höhenmeter : 1480 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 11:45 h

Entfernung: ca. 14 km (schwer zu schätzen)

Abstieg:

Höhenmeter : 15 Hm im Aufstieg und 770 Hm im Abstieg

Gehzeit : 2:30 h

Entfernung: ca. 10 km

Dienstag, 16. August 2005:

Heute Morgen lassen wir es nach unserem gestrigen Abenteuer etwas gemütlicher angehen. Bevor wir weiterfahren, räumen wir noch die Autos so um, dass die großen Rucksäcke und die Gletscherausrüstung wieder ganz nach unten kommen. Die großen geplanten Highlights unseres diesjährigen Urlaubs haben wir mit Bravour absolviert und in den verbleibenden wenigen Tagen werden wir nicht in die Verlegenheit kommen, unsere Gletscherausrüstung noch einmal zu benötigen. Die folgenden Tage wollen wir darauf verwenden, noch ein paar schöne Tageswanderungen im Mt. Rainier NP zu machen.

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Nach routinemäßigem Abbruch der Zelte starten wir in Richtung Seattle und Mt. Rainier NP. Jörg, Kerstin und ich waren 1997 schon einmal in Seattle, aber die andern beiden kennen die Stadt (und auch andere amerikanische Großstädte) noch nicht und so biegen wir vom Highway ab für einen Stadtbummel. In Seattle stellen wir unsere Autos an der Space Needle ab, fahren aber mit einem Oberleitungsbus in die Stadt, da die Monorail einen mechanischen Schaden hat und momentan nicht verkehrt. Wir bummeln ein wenig durch Downtown Seattle, essen Eis, machen ein paar Fotos, schauen uns in dem einen oder anderen Souvenirshop um. Dann gehts um ca. 15:00 Uhr mit der Monorail wieder zurück, die jetzt wieder fährt. Auf der Interstate-5 gehts weiter und über untergeordnete Highways erreichen wir den NO-Parkeingang des Mt. Rainer NP. Schon von weitem sieht man den Kegel dieses über 4000m hohen Vulkans, der sich weit über die umgebende Landschaft erhebt. Auf dem Weg zum Nationalpark gehen wir ein letztes Mal in diesem Urlaub einkaufen, so dass wir für die kommenden 5 Tage alles Notwendige beisammen haben. Im Mt. Rainier NP ist vergleichsweise wenig los und wir kommen für 3 Nächte auf dem Ohanapecosh CG unter. Der Zeltplatz ist zwar bei Abend und auf den ersten Blick betrachtet etwas finster, aber es hat schon etwas Spezielles an sich, unter riesigen, alten und bis zu 1,50m dicken Zedernbäumen und Douglasfichten sein Zelt aufzuschlagen und abends ein Lagerfeuer aus Zedernholz zu machen.

Mittwoch, 17. August 2005:

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Wie vom Wetterbericht vorhergesagt, regnet es heute morgen bereits ab 5 oder 6 Uhr. Jörg ist als erster wach und errichtet unser Tarp über dem Frühstückstisch, so dass wir trotz Regen in Ruhe Kaffee kochen und frühstücken können. Der Wald von Ohanapecosh CG liegt knapp unter der Wolkendecke, so dass man heute vom Mt. Rainier nicht viel sehen können wird. Viel kann man an einem solchen Tag also nicht erwarten und so fahren wir nach Paradise ins Visitor Center des Nationalparks. Wir besichtigen die dortige Nationalpark-Ausstellung und den Souvenirshop, essen Mittag und unternehmen trotz fehlender Sicht einen kleinen Spaziergang über den Alta Vista Trail durch die dortigen Bergwiesen. Während des Spaziergangs beobachten wir mehrere recht zutrauliche Rehe, darunter (see subtitle) eine Rehmutter mit ihren zwei Rehkitzen, die uns bis auf Fotodistanz heranlassen.

Wieder am Visitor Center zurück nehmen wir noch die gebotene warme Dusche in Anspruch, an die wir uns von unserer Mt. Rainer Besteigung von 1997 erinnern und für die sonst eher wenig Werbung gemacht wird. Aber es gibt sie noch. Auf der Rückfahrt nach Ohanapecosh CG besichtigen wir noch den Box Canyon und The Grove of the Patriarchs. Letzteres ist ein Waldstück etwas weiter von der Strasse entfernt, in dem einige der ältesten Bäume des Nationalparks stehen. Die Bäume haben bis zu 10m Umfang und ihre wahre Größe ist auf Fotos schwer erfassbar. Erst wenn ein Mensch vor einem der durch Sturm umgefallenen Baumstämme steht, erkennt man den enormen Durchmesser und die wahre Höhe dieser alten Bäume.

Höhenmeter : 220 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 1:30 h

Entfernung: ca. 5 km

Donnerstag, 18. August 2005:

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Der Wetterbericht im Paradise Visitor Center hatte uns Mut gemacht und er behält Recht - schon am Morgen herrscht wieder strahlender Sonnenschein und blauer Himmel, auch wenn sich über den Tag dann wieder mehr Haufenwolken bilden werden. Dieses Mal geht es nach Sunrise Visitor Center im Osten des Mt. Rainier, wo uns am Morgen Bilder von einem wolkenfreien ud von der richtigen Seite angestrahlten Mt. Rainier gelingen. Als Tour haben wir uns für heute die Wanderung von Sunrise Point über den Frozen Lake zum Mt. Freemont Lookout (2189m) ausgesucht. Man bewegt sich dabei über weite Strecken oberhalb der Baumgrenze und hat immer wieder schöne Ausblicke auf den noch mal mehr als 2000m höheren Mt. Rainier in unmittelbarer Nachbarschaft. (see subtitle) Frank und Regina sind von seiner Größe und den Gletscherfeldern beeindruckt und beneiden uns ein wenig darum, dass wir diesen majestätischen Vulkan schon in 1997 besteigen konnten. Der Mt. Freemont Lookout ist eine schön gelegene Aussichtskanzel, die ein früherer Feuerbeobachtungspunkt ist. Von hier oben beobachten wir mit Fernglas und Teleobjektiv eine Herde von Bergziegen (Mountain Goats) an den Abhängen des Berges.

Unterwegs haben wir auch Begegnungen mit jeder Menge verrückter Squirrels, sehen ein Reh und schöne Blumen (Berglupinen, Enzian, Indian Paintbrush, etc.). Der Rückweg führt uns über den Burrough Mountain, den Sunrise Rim Trail und den Shadow Lake wieder nach Sunrise Point zum Visitor Center zurück, wobei wir noch mal direkt vis-a-vis dem Mt. Rainier gegenüber stehen, der sich allerdings zum Nachmittag mit kleinen Haufenwolken geschmückt hat. Vom Sunrise Rim Trail hat man auch noch einmal einen guten Einblick in die Standard-Aufstiegsroute auf den Mt. Rainier, so wie wir den Berg 1997 bestiegen haben. Mit dem Fernglas sieht man deutlich die Aufstiegsspur auf den gro´┐Żn Firnfeldern der Gletscher am Mt. Rainier und auch die eine oder andere Seilschaft im Abstieg. Abschließend für heute gibt es Eis und heiße Schokolade in der Lodge des Visitor Centers und damit lassen wir den heutigen gemütlichen Urlaubstag ausklingen.

Zurück in Ohanapecosh CG gelingt es uns auch, noch kurz vor dessen Schließung das dortige kleine Visitor Center zu besuchen.

Höhenmeter : 575 Hm im Auf- und Abstieg

Gehzeit : 5:30 h

Entfernung: ca. 12 km

Freitag, 19. August 2005:

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Langsam kommt eine gewisse Wehmut auf, denn unser schöner Sommerurlaub neigt sich seinem unweigerlichen Ende zu. Heute müssen wir unseren Rückweg nach Vancouver antreten und die Grenze zwischen USA und Kanada überqueren, denn am Samstag Nachmittag geht unser Flieger von Vancouver aus nach Hause. Da es unsere letzte Nacht auf einem Zeltplatz war, bemühen wir uns früh, die Zelte so trocken wie möglich und möglichst transportfertig einzupacken. Alle Lebensmittelvorräte, die wir nicht mehr aufbrauchen können und alle Ausrüstungsdinge, die wir nicht mehr benötigen und auch nicht mitnehmen wollen, werden entsorgt.

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Auf dem Weg aus dem Mt. Rainier NP heraus machen wir noch mal Bilder an einem Aussichtspunkt und an den Reflection Lakes, die heute auch tatsächlich den Mt. Rainer "reflektieren" (also spiegeln). Dann gewinnen wir über kleinere Highways die Interstate-5 und machen uns auf den Weg nach Norden. Durch die Skyline von Seattle fahren wir heute nur auf der Interstate hindurch. Mittag gibt es in einem Pizza Hut ca. 40km hinter Seattle. Wir sehen zu, dass wir in dem dichter werdenden Verkehr aufs Wochenende zu nicht zu später Stunde an die Grenze kommen. Auf dem Weg zur US-Grenze zeigt sich dann auch noch mal der Mt. Baker zu unserer Rechten.

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Gegen 15:00 Uhr erreichen wir den Grenzübergang nach Kanada bei Bellingham, der einen großen Triumphbogen zu Ehren der 100-jährigen friedlichen Nachbarschaft der USA zu Kanada und sehr schöne Blumenrabatten und Parkanlagen mit einem großen roten Maple Leaf aufweist. Auch fällt uns ein großes Plakat auf mit der Aufschrift "Think metrik!", was sich wohl hauptsächlich an die Amerikaner richtet, denn von nun an gelten wieder "km" und "km/h" als verbindliche Einheiten im Strassenverkehr anstatt "miles" und "miles per hour". Kanada lässt grüßen. Die Grenzkontrolle ist angesichts des dichten Verkehrs auf der Interstate recht lax und nicht einmal den grünen Einreisezettel aus unserem Pass will jemand zurück haben. Somit sind wir recht unbürokratisch wieder in Kanada zurück.

Auf der Weiterfahrt zu unserer Lodge in Richmond (in der Nähe des Flughafens von Vancouver) geraten wir vor dem Tunnel unter dem Fraser River unerwartet in einen Mega-Stau (zwei 3-spurige Highways werden zusammengefädelt und auf eine Spur verengt) - nach über 3 Wochen in den eher spärlich bevölkerten Weiten Kanadas und der USA wieder ein recht ernüchterndes Erlebnis. Der Stau bewegt sich extra-zäh und kostet uns fast 1,5h Zeit, ehe wir den Tunnel passieren können und gegen 17:30 Uhr in unserer Lodge ankommen. Wir verschieben so das Packen unseres Fluggepäcks auf morgen früh, duschen schnell und überprüfen noch im Internet die Abflugzeit unseres Condor-Fluges nach Frankfurt.

Dann fahren wir mit einem unserer Autos zu unserem Urlaubs-Abschieds-Dinner in die Innenstadt von Vancouver. Auf der Robson-Street entscheiden wir uns für das Restaurant von ODoul und dinieren bei Lachs, Steak und Okanagan Rotwein sehr angenehm und fürstlich. Danach gibts noch ein Tiramisu-Eis an einem Stand auf der Robson-Street mit ca. 30 verschiedenen Eissorten und nach unserer Rückkehr in die Lodge in Richmond lassen wir den Tag mit einem Bier im Pub der Lodge ausklingen. Ein gelungener und schöner Abschlußabend unserer gelungenen Urlaubstour 2005.

Samstag, 20. August 2005:

Heute um 18:00 Uhr geht unser Flieger von Vancouver zurück nach Frankfurt. Auf diese Weise haben wir noch den ganzen Tag zu unserer Verfügung und können noch einmal in die Stadt zum Sightseeing. Wir stehen also um 7:15 Uhr auf, frühstücken noch einmal in dem gemütlichen Restaurant des Abercorn Inn Lodge und kämpfen dann mit unserem Gepäck um es flugfertig zu verpacken. Gegen 10:00 Uhr ist aber dann alles in unseren 2 Rucksäcken und einer Reisetasche verpackt und wir checken aus der Lodge aus.

Mit beiden Fahrzeugen fahren wir noch mal in die Stadt (was sich bald als Fehler herausstellen wird) und stellen die Autos in der Burrard Street 800 in eine unverdächtig erscheinende Tiefgarage (was eventl. unser zweiter Fehler an diesem Morgen war). Nur mit Fotoapparaten und den Papieren/Wertsachen bummeln wir noch einmal über die Robson Street und gehen abschließend in einem Griechischen Restaurant essen.

Wieder so gegen 12:30 Uhr an den Autos in der Tiefgarage zurück erwartet uns eine böse Überraschung. Der Chevrolet Tahoe ist an der Fahrertür mittels Stich mit einem Schraubenzieher durch das Karosserieblech unterhalb des Türschlosses klassisch aufgebrochen worden. Unsere Freunde haben es sofort bemerkt, da die großen Rucksäcke in ihren Übersäcken von hinten aus dem Kofferraum auf die vorderen Sitze gewuchtet wurden. Auf den ersten Blick fehlt der Tagesrucksack von Jörg und eine Tragetasche von den anderen beiden. Wir sind recht deprimiert, denn auf den ersten Blick scheint es, als seien neben anderen Sachen auch ALLE Filme vom gesamten Urlaub von unseren drei Freunden und die Gore-Jacke von Jörg bei dem Einbruch drauf gegangen. Unser daneben abgestellter Pontiac Grand Prix ist unversehrt, allerdings war dessen Kofferraum ja auch nicht einsehbar, wie bei dem weitgehend offenen Chevrolet Tahoe.

Ich bemühe mich zunächst, draußen auf der Strasse (in der Tiefgarage kriegt man kein Handy-Netz) nach klassischer Filmvorlage mit meinem Handy über "911" die Polizei von dem Einbruch zu verständigen. Der Officer am Telefon fragt mich aber nur, ob bei dem Einbruch Personenschaden entstanden sei. Als ich das verneine (keiner getötet, erschossen, erdolcht), verweist er mich zum Zweck einer Einbruchdiebstahlanzeige an eine Telfonnummer eines automatischen Telefoncomputers, der endlose Fragen in fließendem Englisch stellt bzw. uns an eine Adresse eines Polizeibüros im Westen von Vancouver verweist. Ein Polizist wird sich den Tatort nicht anschauen, der Diebstahl ist zu geringfügig (und offenbar für Vancouver Downtown zu gewöhnlich, obwohl wir uns bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt recht sicher gefühlt haben). Regina kommt in der Zwischenzeit auf eine gute Idee. Sie durchsucht mit Jörg die Tiefgarage und die Treppenhäuser und tatsächlich finden sie in einem der Treppenhäuser die hastig entleerten und durchwühlten Rucksäcke und einen großen Teil deren Inhalts wieder. Die Diebe waren also recht selektiv nur an ganz bestimmten und schnell wieder zu Geld zu machenden Sachen interessiert. Nach eingehender Untersuchung fehlen demnach nun "nur" die beiden Fotoapparate mit den gerade darin befindlichen letzten Filmen, eine Sonnenbrille von Frank und eine nach Dokumenten aussehende Mappe, in der Jörg aber nur die während der Fahrt gesammelten Prospekte und Andenken für sein Bilderalbum aufbewahrte. Die an sich teuere Gore-Jacke von Jörg hat sie dabei nicht interessiert.

Immer noch aufgeregt von dem Schreck, aber ob der wieder gefundenen Sachen zumindest etwas erleichtert, versuchen wir nun trotzdem dieses Polizeirevier zu finden, um einen Polizeibericht oder eine Registriernummer für eine Polizeianzeige für unsere deutsche Versicherung und den Autovermieter zu bekommen. Wir fahren also zur Cambie Street zu dem angegebenen Polizeirevier. Aber es ist Samstag nach 13:00 Uhr und das Revier hat nur Mo-Fr geöffnet. Ich stoppe ein auf der Strasse vorbei kommendes Polizeifahrzeug und frage den Officer, wie ein Tourist mit weniger guten Englisch-Kenntnissen wie meinen in der Lage sein soll, unter ähnlichen Umständen einen solchen Einbruch zur Anzeige zu bringen. Er zuckt nur mit den Schultern, räumt aber ein, dass die Idee mit dem Sprachcomputer dafür wohl offenbar keine so gute Idee sei. Er hat aber auch keine Zeit um uns zu helfen, vergewissert sich aber per Polizeifunk noch einmal, welche Telefonnummer nun für unser Problem die Richtige ist. Ich kämpfe mich dann per Handy durch die automatischen Ansagedienste des Polizei-Sprachcomputers und schließlich gelingt es mir, meine Anzeige zu machen, die gestohlenen Gegenstände anzugeben und eine File-ID für den Vorgang zu erwirken, die die Voraussetzung dafür ist, in Deutschland die Versicherungen in Anspruch nehmen zu können.

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Nach derart verdorbenem Urlaubsabschluss machen wir uns auf den Weg zum Flughafen, denn es ist nun höchste Zeit, die Mietwagen zurückzugeben und einzuchecken. 6 Minuten vor Ablauf der Mietfrist geben wir unsere Autos bei Alamo wieder zurück und geben den Einbruchschaden an dem Chevrolet Tahoe an. Alamo nimmt einen Schadensbericht auf und vermerkt die File-ID unserer Polizeianzeige. Größere Konsequenzen hat hier der Autoaufbruch erst einmal nicht. Später werden wir aber von Alamo noch eine Reparaturrechnung für die Tür des Chevrolet Tahoe über ca. 150,- EUR erhalten.

Nun können wir für unseren Rückflug einchecken, was ohne weitere Hindernisse funktioniert. Pünktlich gegen ca. 18:00 Uhr startet die Condor-Maschine zurück nach Frankfurt. Beim Start zieht der Pilot die Maschine schön über die Bucht von Vancouver, so dass wir noch einmal einen schönen Blick auf Vancouver Downtown im Abendlicht erhaschen können. In der Ferne grüßen noch einmal der Mt. Baker und dahinter der Mt. Shuksan herüber. Nach langem Flug kommen wir gut in Frankfurt an, bekommen unsere beiden vorbestellten Mietwagen und fahren von Frankfurt wieder nach Chemnitz. Nach erlebnisreichen und sehr schönen vier Wochen gemeinsamen Urlaubs (mit dem kleinen bitteren Nachgeschmack von unserem letzten Vancouver Erlebnis) sind wir wieder zu Hause.

Für die Statistiker: In unseren 4 Wochen Urlaub in Kanada und USA sind wir mit den beiden Mietwagen insgesamt 3838 km durch beide Länder gefahren. Bei unseren Berg- und Wandertouren sind wir insgesamt 11.490 Hm im Auf- und Abstieg sowie 246 km gewandert, gestiegen und gekraxelt. Alle Höhenangaben wurden mit einer Avocet Vertech Höhenmesseruhr ermittelt bzw. anhand von Kartenhöhenangaben ermittelt, da die Avocet nur Anstiegs- oder Abstiegshöhenmeter addieren kann.

Story written by Thomas & Kerstin Frank, Chemnitz, 31. Dezember 2006, last updated: 11.01.2007.